Sexualität & Sprache
Warum ist Sprache so wichtig?
Sexualität und Sprache gehören zusammen.
Die Art und Weise, wie wir über Sexualität sprechen, ist wichtig.
Auch wann und mit wem wir über Sexualität reden, ist wichtig.
Das beeinflusst, wie wir Sexualität sehen.
So entstehen Regeln und Ideen in der Gesellschaft.
Manche Regeln und Ideen bleiben, weil wir immer gleich über Sexualität sprechen.
Es ist gut, in einer einfachen und freundlichen Sprache über Sexualität zu reden.
Dann fühlen sich alle Menschen wohl.
Niemand muss sich schämen oder Angst haben.
So können wir besser über Sexualität nachdenken und reden.
Alte Tabus können verschwinden.
Tabus sind Regeln, über die man nicht spricht.
Wenn wir offen und freundlich sprechen, werden Tabus weniger.
Mumu, Yoni, Vulva
Wie sprechen wir wann?
Auch wenn wir das Gleiche meinen, benutzen wir manchmal andere Wörter.
Wir wählen unterschiedliche Wörter, je nachdem, wie alt wir sind.
Es kommt darauf an, mit wem wir gerade sprechen.
Es ist auch wichtig, in welcher Situation wir gerade sind.
Manchmal wählen wir Wörter, um einen bestimmten Eindruck zu machen.
Die Gesellschaft, in der wir leben, hat Einfluss darauf, wie wir sprechen.
Davon sind auch Regeln für Geschlechter und Macht betroffen.
Wir lernen diese Regeln in unserer Gesellschaft.
Unsere Wörter können zeigen, wie wir über Männer und Frauen denken.
Sprache überträgt manchmal Vorstellungen über Geschlechter.
Das passiert oft, ohne dass wir es merken.
Wir meinen das nicht immer so.
Uns ist wichtig: Wir möchten eine Sprache benutzen, die für alle Menschen gut ist.
Das nennt man inklusive Sprache.
Inklusive Sprache schließt alle Menschen ein.
Aber was denn jetzt: Mumu, Yoni oder Vulva? Dazu erfährst du hier mehr.
Sprachstile
| Sprachstil | Merkmale | Besipiele |
|---|---|---|
| Fachsprache | Arbeitsbezogen, sachlich, neutral, unpersönlich | Vulva, Vagina, Labien, Erektion |
| Alltagssprache | im Alltag, persönlich | Scheide, Brust, Glied |
| Vulgärsprache | böse gemeint oder freudig gemeint | Ficken, Schwanz |
| Standardsprache | für viele Menschen in Ordnung, sachlich, allgemein-verständlich | Geschlechtsverkehr, Penis |
| Kindersprache | klingt niedlicher als es ist, oft ungenau | Zipfel, Mumu |
Tabus hinterfragen
Ein Tabu ist eine ungeschriebene Regel.
Ein Tabu sagt: Das darfst du nicht tun oder sagen.
Oft denkt man, ein Tabu ist wie ein Verbot.
Aber ein Tabu und ein Verbot sind nicht ganz dasselbe.
Tabus sind Regeln in unserer Gesellschaft.
Sie sagen uns, wie wir uns verhalten sollen.
Sie sagen auch, was wir nicht fühlen oder denken sollen.
Manche Tabus können gut sein.
Zum Beispiel: Du sollst keinen Menschen beleidigen.
Du sollst keine schlimmen Wörter sagen.
Das schützt andere Menschen.
Aber Tabus können auch schlecht sein.
Manchmal darf man wegen Tabus wichtige Dinge nicht besprechen.
Zum Beispiel über den eigenen Körper oder über Sexualität.
Das ist aber oft wichtig für das Leben und das Glück von Menschen.
Tabus können auch dazu führen, dass manche Menschen ausgeschlossen werden.
Zum Beispiel Menschen mit einer anderen sexuellen Identität.
Sie werden dann nicht anerkannt.
Sie werden oft im Alltag schlecht behandelt.
Das nennt man Diskriminierung.
Deshalb soll man Tabus hinterfragen.
Das heißt: Man soll nachdenken, ob ein Tabu wirklich gut ist.
Besonders wichtig ist das, wenn wir Tabus durch unsere Sprache und unser Verhalten weitergeben.
Tabus lernen wir oft schon als Kinder.
Wir merken oft gar nicht, dass wir ein Tabu einhalten.
Wir machen es automatisch.
Darum ist es wichtig, dass wir über Tabus nachdenken.
Nur so merken wir, welche Tabus es gibt.
Nur so können wir mit Tabus richtig umgehen.
Tabus aufbrechen
Manche Wörter machen es schwer, über Sexualität zu sprechen.
Zum Beispiel das Wort „Schambereich“.
Es verbindet Körperteile wie Vulva und Penis mit Scham.
Das Wort „Scham“ bedeutet: Man fühlt sich schlecht oder etwas ist peinlich.
Es gibt auch andere Wörter, die das Thema Sex zu einem Tabu machen.
„Tabu“ heißt: Man spricht nicht darüber, obwohl es wichtig ist.
Besser ist es, einfache und klare Wörter zu benutzen.
Zum Beispiel: Vulva oder Penis.
So können alle genau verstehen, worum es geht.
Das Wichtigste ist:
Du solltest dich mit den Wörtern wohlfühlen, die du benutzt.
Achte auch darauf, dass andere Menschen sich nicht unwohl fühlen.
Es ist nicht immer leicht, offen über Sexualität zu sprechen.
Aber: Übung hilft dabei.
Je öfter du übst, desto leichter wird es.
Das Ziel ist:
Wir wollen eine Sprache benutzen, die Sexualität nicht als etwas Schlechtes zeigt.
Unsere Sprache soll offen und neutral sein.
Wenn wir auf unsere Sprache achten, passiert etwas Gutes:
Alle Menschen können sich wohlfühlen.
Alle können respektvoll miteinander sprechen.
Das ist wichtig – zu Hause, in der Schule und bei der Arbeit.
So können alle über Sexualität sprechen, ohne Angst oder Scham.
Sprache verändert sich mit der Zeit.
Wörter können ihre Bedeutung ändern.
Manche Wörter klingen zuerst neutral.
Aber diese Wörter können andere Menschen verletzen.
Deshalb suchen wir andere Wörter.
Wir nennen diese Wörter „neutralere Alternative“.
Das bedeutet: Diese Wörter sind besser, aber vielleicht trotzdem nicht perfekt.
Sprache kann nie ganz neutral oder perfekt sein.
Wir geben uns Mühe, niemanden zu verletzen.
| Begriff | Kritik am Begriff | Neutralere Alternative |
|---|---|---|
| Schamlippe | Besetzt Teile des Genitals mit Scham | Vulvalippen |
| Schambereich | Besetzt den gesamten Genitalbereich mit Scham | Genitalbereich |
| Dirty Talk | Bewertet das Sprechen beim Sex als "schmutzig" | Sexy Talk |
| Jungfernhäutchen | Der Begriff ist cis-normativ, indem es die Schleimhautfalten als weiblich und als Teils des Geschlechts der “Frau” konnotiert. Das kommt daher, dass im 15. Jahrhundert davon ausgegangen wurde, dass das vermeintliche Häutchen ein Beweis für die Jungfräulichkeit der Frau sei. Das ist falsch. Denn das Wort Häutchen ist anatomisch faktisch falsch: Es handelt sich nicht um eine verschlossene Hautschicht, sondern um Schleimhautfalten. | Schleimhautfalten, Vaginale Korona, Schleimhautkranz, Schleimhautsaum |
| Scheide | Der Begriff ist metaphorisch an die “Schwertscheide” angelehnt und reduziert das Organ damit auf die Möglichkeit, dass ein Penis eindringen kann. Darüber hinaus ist er heteronormativ, indem er auf heterosexuellen Sex verweist | Vagina |
| Hymen | Hymen ist griechisch un bedeutet Membran oder Haut. Dieser Begriff ist irreführend, da er auf den Mythos "Jungfernhäutchen" verweist. | Schleimhautfalten, Vaginale Korina, Schleimhautkranz, Schleimhautsaum |
Wann, wie und mit wem über Sexualität sprechen?
Jeder Mensch hört und spricht über das Thema Sex.
Du redest über Sex zum Beispiel mit:
- deiner Freundin oder deinem Freund,
- deinen Freunden,
- Kindern oder Jugendlichen, auf die du aufpasst,
- Ärztinnen und Ärzten,
- Menschen, mit denen du arbeitest.
Es ist wichtig, dass du über deine Wörter nachdenkst.
Beobachte, wie andere auf deine Worte reagieren.
Passe deine Sprache an die Situation an.
Dadurch verstehen dich alle besser.
Hier gibt es eine Übersicht über Beratungsstellen und Ansprechpersonen, die mit verschiedenen Zielgruppen über Sex sprechen und beraten:
Mit Sexpartner*innen über Sex reden
Offene Gespräche mit Sex-Partnern sind wichtig.
So kannst du klar sagen, was du willst und was du nicht willst.
Reden hilft, Wünsche und Grenzen zu erklären.
Tipps für das Gespräch:
Sucht einen guten Moment für das Gespräch aus.
Zum Beispiel: Sprecht vor dem Sex ein paar Minuten miteinander.
Es kann über Verhütung gehen.
Oder über Wünsche.
Oder über Tabus.
Tabus sind Dinge, die man lieber nicht machen möchte.
Redet offen über Sexualität.
Das ist ganz normal.
Jeder Mensch hat andere Wünsche und Bedürfnisse.
Diese Wünsche können sich ändern.
Wenn ihr sprecht, könnt ihr immer wissen, was die andere Person will.
So bleibt ihr im Gespräch und passt gut aufeinander auf.
Wenn du möchtest, kannst du das Gespräch so anfangen:
Erinnere dich an etwas, das sich mit deinem Partner schon gut angefühlt hat.
Sprich darüber.
So fängt das Gespräch nett und freundlich an.
Manchmal möchtest du mit deinem Sex-Partner über eine Fantasie reden.
Fantasie ist ein Wunsch oder eine Vorstellung.
Du musst die Fantasie nicht gleich machen.
Du kannst einfach darüber sprechen.
Frag die andere Person:
Ist es eine Fantasie?
Oder ein Wunsch?
Oder vielleicht etwas dazwischen?
So könnt ihr gemeinsam reden und euch besser verstehen.
Formulierungen zum Einstieg: