Sexualität & Sprache

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Warum ist Sprache so wichtig?

Sexualität und Sprache gehören zusammen.

Die Art und Weise, wie wir über Sexualität sprechen, ist wichtig.

Auch wann und mit wem wir über Sexualität reden, ist wichtig.

Das beeinflusst, wie wir Sexualität sehen.

So entstehen Regeln und Ideen in der Gesellschaft.

Manche Regeln und Ideen bleiben, weil wir immer gleich über Sexualität sprechen.

Es ist gut, in einer einfachen und freundlichen Sprache über Sexualität zu reden.

Dann fühlen sich alle Menschen wohl.

Niemand muss sich schämen oder Angst haben.

So können wir besser über Sexualität nachdenken und reden.

Alte Tabus können verschwinden.

Tabus sind Regeln, über die man nicht spricht.

Wenn wir offen und freundlich sprechen, werden Tabus weniger.

Mumu, Yoni, Vulva

Wie sprechen wir wann?


Auch wenn wir das Gleiche meinen, benutzen wir manchmal andere Wörter.

Wir wählen unterschiedliche Wörter, je nachdem, wie alt wir sind.

Es kommt darauf an, mit wem wir gerade sprechen.

Es ist auch wichtig, in welcher Situation wir gerade sind.

Manchmal wählen wir Wörter, um einen bestimmten Eindruck zu machen.

Die Gesellschaft, in der wir leben, hat Einfluss darauf, wie wir sprechen.

Davon sind auch Regeln für Geschlechter und Macht betroffen.

Wir lernen diese Regeln in unserer Gesellschaft.

Unsere Wörter können zeigen, wie wir über Männer und Frauen denken.

Sprache überträgt manchmal Vorstellungen über Geschlechter.

Das passiert oft, ohne dass wir es merken.

Wir meinen das nicht immer so.

Uns ist wichtig: Wir möchten eine Sprache benutzen, die für alle Menschen gut ist.

Das nennt man inklusive Sprache.

Inklusive Sprache schließt alle Menschen ein.

Aber was denn jetzt: Mumu, Yoni oder Vulva? Dazu erfährst du hier mehr.

Sprachstile

Sprachstil Merkmale Besipiele
Fachsprache Arbeitsbezogen, sachlich, neutral, unpersönlich Vulva, Vagina, Labien, Erektion
Alltagssprache im Alltag, persönlich Scheide, Brust, Glied
Vulgärsprache böse gemeint oder freudig gemeint Ficken, Schwanz
Standardsprache für viele Menschen in Ordnung, sachlich, allgemein-verständlich Geschlechtsverkehr, Penis
Kindersprache klingt niedlicher als es ist, oft ungenau Zipfel, Mumu

Tabus hinterfragen

Ein Tabu ist eine ungeschriebene Regel.
Ein Tabu sagt: Das darfst du nicht tun oder sagen.
Oft denkt man, ein Tabu ist wie ein Verbot.
Aber ein Tabu und ein Verbot sind nicht ganz dasselbe.

Tabus sind Regeln in unserer Gesellschaft.
Sie sagen uns, wie wir uns verhalten sollen.
Sie sagen auch, was wir nicht fühlen oder denken sollen.

Manche Tabus können gut sein.
Zum Beispiel: Du sollst keinen Menschen beleidigen.
Du sollst keine schlimmen Wörter sagen.
Das schützt andere Menschen.

Aber Tabus können auch schlecht sein.
Manchmal darf man wegen Tabus wichtige Dinge nicht besprechen.
Zum Beispiel über den eigenen Körper oder über Sexualität.
Das ist aber oft wichtig für das Leben und das Glück von Menschen.

Tabus können auch dazu führen, dass manche Menschen ausgeschlossen werden.
Zum Beispiel Menschen mit einer anderen sexuellen Identität.
Sie werden dann nicht anerkannt.
Sie werden oft im Alltag schlecht behandelt.
Das nennt man Diskriminierung.

Deshalb soll man Tabus hinterfragen.
Das heißt: Man soll nachdenken, ob ein Tabu wirklich gut ist.
Besonders wichtig ist das, wenn wir Tabus durch unsere Sprache und unser Verhalten weitergeben.

Tabus lernen wir oft schon als Kinder.
Wir merken oft gar nicht, dass wir ein Tabu einhalten.
Wir machen es automatisch.

Darum ist es wichtig, dass wir über Tabus nachdenken.
Nur so merken wir, welche Tabus es gibt.
Nur so können wir mit Tabus richtig umgehen.

Tabu-Euphemismus-Zyklus (Kreislauf Beschönigender Wörter)


 Schröder, H. (2005). Phänomenologie und interkulturelle Aspekte des Tabus. Ein Essay. Verbotene Worte. Eine Anthologie. München: Bibliothek-Verlag, 287-314.

Beispiele


Tabuwort: “Ficken

  • Euphemismus: “Schlafen mit” oder “miteinander schlafen”
  • Abnutzung: “Schlafen mit” meint öfter Sex und ist nicht mehr neutral.
  • Neuer Euphemismus: “Intim sein” oder “sich näherkommen”

Tabuwort: “Wichsen

  • Euphemismus: “Sich selbst verwöhnen” oder “Hand anlegen”
  • Abnutzung: “Sich selbst verwöhnen” meint öfter Masturbation und ist nicht mehr neutral.
  • Neuer Euphemismus: “Me-Time” oder “Sich Zeit für sich nehmen”

Tabus aufbrechen

Manche Wörter machen es schwer, über Sexualität zu sprechen.
Zum Beispiel das Wort „Schambereich“.
Es verbindet Körperteile wie Vulva und Penis mit Scham.
Das Wort „Scham“ bedeutet: Man fühlt sich schlecht oder etwas ist peinlich.
Es gibt auch andere Wörter, die das Thema Sex zu einem Tabu machen.
„Tabu“ heißt: Man spricht nicht darüber, obwohl es wichtig ist.

Besser ist es, einfache und klare Wörter zu benutzen.
Zum Beispiel: Vulva oder Penis.
So können alle genau verstehen, worum es geht.

Das Wichtigste ist:
Du solltest dich mit den Wörtern wohlfühlen, die du benutzt.
Achte auch darauf, dass andere Menschen sich nicht unwohl fühlen.

Es ist nicht immer leicht, offen über Sexualität zu sprechen.
Aber: Übung hilft dabei.
Je öfter du übst, desto leichter wird es.

Das Ziel ist:
Wir wollen eine Sprache benutzen, die Sexualität nicht als etwas Schlechtes zeigt.
Unsere Sprache soll offen und neutral sein.

Wenn wir auf unsere Sprache achten, passiert etwas Gutes:
Alle Menschen können sich wohlfühlen.
Alle können respektvoll miteinander sprechen.
Das ist wichtig – zu Hause, in der Schule und bei der Arbeit.
So können alle über Sexualität sprechen, ohne Angst oder Scham.

Sprache verändert sich mit der Zeit.

Wörter können ihre Bedeutung ändern.

Manche Wörter klingen zuerst neutral.

Aber diese Wörter können andere Menschen verletzen.

Deshalb suchen wir andere Wörter.

Wir nennen diese Wörter „neutralere Alternative“.

Das bedeutet: Diese Wörter sind besser, aber vielleicht trotzdem nicht perfekt.

Sprache kann nie ganz neutral oder perfekt sein.

Wir geben uns Mühe, niemanden zu verletzen.

Begriff Kritik am Begriff Neutralere Alternative
Schamlippe Besetzt Teile des Genitals mit Scham Vulvalippen
Schambereich Besetzt den gesamten Genitalbereich mit Scham Genitalbereich
Dirty Talk Bewertet das Sprechen beim Sex als "schmutzig" Sexy Talk
Jungfernhäutchen Der Begriff ist cis-normativ, indem es die Schleimhautfalten als weiblich und als Teils des Geschlechts der “Frau” konnotiert. Das kommt daher, dass im 15. Jahrhundert davon ausgegangen wurde, dass das vermeintliche Häutchen ein Beweis für die Jungfräulichkeit der Frau sei. Das ist falsch. Denn das Wort Häutchen ist anatomisch faktisch falsch: Es handelt sich nicht um eine verschlossene Hautschicht, sondern um Schleimhautfalten. Schleimhautfalten, Vaginale Korona, Schleimhautkranz, Schleimhautsaum
Scheide Der Begriff ist metaphorisch an die “Schwertscheide” angelehnt und reduziert das Organ damit auf die Möglichkeit, dass ein Penis eindringen kann. Darüber hinaus ist er heteronormativ, indem er auf heterosexuellen Sex verweist Vagina
Hymen Hymen ist griechisch un bedeutet Membran oder Haut. Dieser Begriff ist irreführend, da er auf den Mythos "Jungfernhäutchen" verweist. Schleimhautfalten, Vaginale Korina, Schleimhautkranz, Schleimhautsaum

Wann, wie und mit wem über Sexualität sprechen?

Jeder Mensch hört und spricht über das Thema Sex.
 
Du redest über Sex zum Beispiel mit:

  • deiner Freundin oder deinem Freund,
  • deinen Freunden,
  • Kindern oder Jugendlichen, auf die du aufpasst,
  • Ärztinnen und Ärzten,
  • Menschen, mit denen du arbeitest.

Es ist wichtig, dass du über deine Wörter nachdenkst.
Beobachte, wie andere auf deine Worte reagieren.
Passe deine Sprache an die Situation an.
Dadurch verstehen dich alle besser.

Hier gibt es eine Übersicht über Beratungsstellen und Ansprechpersonen, die mit verschiedenen Zielgruppen über Sex sprechen und beraten:

interventionen.dissens.de

Mit Sexpartner*innen über Sex reden

Offene Gespräche mit Sex-Partnern sind wichtig.  
So kannst du klar sagen, was du willst und was du nicht willst.  
Reden hilft, Wünsche und Grenzen zu erklären.  

Tipps für das Gespräch:  

Sucht einen guten Moment für das Gespräch aus.  
Zum Beispiel: Sprecht vor dem Sex ein paar Minuten miteinander.  
Es kann über Verhütung gehen.  
Oder über Wünsche.  
Oder über Tabus.  
Tabus sind Dinge, die man lieber nicht machen möchte.  

Redet offen über Sexualität.  
Das ist ganz normal.  
Jeder Mensch hat andere Wünsche und Bedürfnisse.  
Diese Wünsche können sich ändern.  
Wenn ihr sprecht, könnt ihr immer wissen, was die andere Person will.  
So bleibt ihr im Gespräch und passt gut aufeinander auf.  

Wenn du möchtest, kannst du das Gespräch so anfangen:  
Erinnere dich an etwas, das sich mit deinem Partner schon gut angefühlt hat.  
Sprich darüber.  
So fängt das Gespräch nett und freundlich an.  

Manchmal möchtest du mit deinem Sex-Partner über eine Fantasie reden.  
Fantasie ist ein Wunsch oder eine Vorstellung.  
Du musst die Fantasie nicht gleich machen.  
Du kannst einfach darüber sprechen.  
Frag die andere Person:  
Ist es eine Fantasie?  
Oder ein Wunsch?  
Oder vielleicht etwas dazwischen?  

So könnt ihr gemeinsam reden und euch besser verstehen.

Formulierungen zum Einstieg:

Meine Wünsche beim Sex sind anders als früher.

Mir hat es gestern gefallen, dich zu küssen. 

Heute würde ich gerne mehr machen.

Worauf hast du Lust?

Bevor wir anfangen möchte ich darüber reden, wie wir verhüten.

Was brauchst du, damit du dich beim Sex mit mir sicher fühlst?

Mit Freund*innen über Sex reden

Sex kann wichtig für das Wohlbefinden sein.
Über Sex zu reden kann helfen.
Reden hilft beim Verstehen von eigenen Erfahrungen.
Reden hilft bei Unsicherheiten.
Reden kann neue Sichtweisen zeigen.

Man braucht keine sexuelle Beziehung.
Auch Gespräche mit vertrauten Menschen können helfen.

Fragen zum Nachdenken.
Diese Fragen kann man sich selbst stellen.
Oder man kann darüber reden.

Was bedeutet Sex für mich?

Was macht mir Lust?
Was macht mir keine Lust?

Wie beeinflusst Sex mein Wohlbefinden?

Welche Fantasien habe ich?
Welche Fantasien möchte ich erleben?
Welche Fantasien möchte ich nicht erleben?

Gesprächseinstieg:

Ich bin gerade nicht so zufrieden mit meinem Sexleben und würde gerne mal mit dir darüber reden- ist das okay?

Ich habe festgestellt dass etwas beim Sex mir gar nicht gefällt. Ist das bei dir auch so?

Mit Kindern über Sex reden

Kindgerecht, ehrlich und inklusiv über Sex und Sexualität sprechen.

Kinder sind neugierig, auch auf Sexualität. Schon früh entdecken sie den eigenen Körper und stellen Fragen. Erwachsene prägen mit ihrer Sprache und Haltung, wie offen oder schambesetzt Kinder mit dem Thema umgehen. Wer wertschätzend über Körper und Sexualität spricht, stärkt ein positives Körpergefühl und gesunde sexuelle Entwicklung.

Worauf es ankommt:

  • Altersgerecht, ehrlich und ohne Scham sprechen
  • Alltagsmomente nutzen, um über Körper, Gefühle, Grenzen und Privatsphäre zu sprechen
  • kindgerechte Formulierungen
  • erlebnisbasierte Darstellungen der eigenen Sexualität vermeiden
  • Fragen erklären lassen, um den wirklichen Anlass zu klären
  • Gelassen reagieren, auch wenn Kinder ungewohnte Wörter verwenden und Alternativen erklären, ohne zu verurteilen
  • Eigene Haltung zu Sexualität reflektieren

Beispielhafte Antworten auf die Frage „Was ist Sex?“

So nicht: Sex ist, wenn sich ein Mann und eine Frau lieben und ein Kind zeugen wollen.

  • schließt queere Menschen aus und bezieht sich nur auf Mann und Frau
  • Koppelt Sex an Liebe und Fortpflanzung
  • Klammert sexuelle Vielfalt aus
  • abstrakte Worte wie „zeugen“ vermeiden

Sex haben Menschen, wenn sie sich zueinander hingezogen fühlen und Lust auf Nähe haben. 

Dann küssen oder streicheln sie sich vielleicht oder berühren sich an Stelen, die sich gut anfühlen.

Fazit: Sex lässt sich kindgerecht erklären, ohne Klischees, mit Offenheit und Respekt.

Mit Jugendlichen über Sex reden

Die Kommunikation soll wertschätzend, ehrlich und auf Augenhöhe sein.

Was bedeutet das?  
Alle Menschen sprechen freundlich und ehrlich miteinander.  
Niemand spricht von oben herab.  
Alle achten auf die Gefühle der anderen.

Jugendliche machen viele erste Erfahrungen.

Zum Beispiel:

  • Die erste Menstruation. Das ist die Zeit, in der ein Mädchen zum ersten Mal ihre Periode bekommt.
  • Der erste Samenerguss. Das bedeutet, dass ein Junge zum ersten Mal Samenflüssigkeit bekommt.
  • Die erste Liebe oder das erste Mal Sex.

Über diese Themen sollen alle offen und ohne Angst sprechen.  
Es ist wichtig, dass niemand sich schämt.  
Es gibt keine Themen, über die man nicht sprechen darf.

So entsteht Vertrauen.  
Jugendliche trauen sich dann eher, Fragen zu stellen.

Wichtig ist:  
Jeder soll selbst bestimmen, mit wem er sprechen möchte.  
Niemand darf vorschreiben, wer die Ansprechperson ist.

Manchmal ist die Sprache schwierig.

Jugendliche benutzen manchmal Wörter, die mit Sex zu tun haben oder provozieren.  
Sie machen das oft, weil sie sich und ihren Platz suchen wollen.  
Manchmal sind sie unsicher und wissen nicht, wie sie Dinge besser sagen sollen.

Es ist wichtig zu wissen:  
Nicht jedes Wort ist böse gemeint.  
Jugendliche kennen manchmal auch keine anderen Wörter.

Wenn Erwachsene beim Thema Scham oder Angst zeigen,  
werden Jugendliche oft auch unsicher oder schämen sich.

Jugendliche benutzen manchmal Schimpfwörter wie „Bitch“.  
Vielleicht meinen sie es lustig oder sogar nett,  
aber das Wort kann verletzen.  
Wenn das Wort immer benutzt wird, wird es normal, auch wenn es nicht gut ist.

Erwachsene sollen ein gutes Vorbild sein.

Das bedeutet:

  • Erwachsene sollen keine Jugendsprache nachmachen.
  • Sucht gemeinsam nach guten Wörtern, um Dinge zu besprechen.
  • Sagt freundlich, wenn ein Wort verletzt. Erklärt, warum es weh tut.
  • Macht Vorschläge, welche Wörter besser sind.

So lernen alle, gut miteinander zu sprechen.

Gesprächseinstiege:

Ich erinnere mich, dass wir früher viele Fragen zum Thema Sex hatten aber oft nicht wussten, mit wem wir darüber sprechen können. Wie ist das bei dir und deinen Freund*innen?

Habt ihr in der Schule schon über Sex gesprochen im Unterricht? Wie war das und gibt es noch Dinge, die dich beschäftigen?

Wenn du mal Fragen zum Thema Sex, Körper oder Liebe hast, kannst du mich jederzeit ansprechen oder ich helfe dir, jemanden zu finden, mit dem du reden willst.

Auf Social Media oder in Serien gibt es viele Infos über Sex, aber nicht alles stimmt. Ist dir schon mal etwas aufgefallen, bei dem du unsicher warst?

Wie wurde mit dir als Jugendliche*r über Sexualität gesprochen?

Was hättest du gebraucht, um gut aufgeklärt erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln?

Mit Erwachsenen und älteren Menschen über Sex reden

Sexualität gibt es auch im Alter.
Darüber reden bleibt wichtig.

Sexualität verändert sich mit dem Alter.
Das sind Veränderungen am Körper, an den Gefühlen und im Umgang mit anderen Menschen.
Viele Menschen denken, ältere Menschen wollen keinen Sex mehr.
Das stimmt aber nicht.
Manche Menschen reden nicht gerne darüber.
Das nennt man Tabu.

Es gibt verschiedene Situationen, wo man über Sexualität sprechen sollte.

Man kann nach einer Trennung wieder über Verhütung nachdenken müssen.
Verhütung heißt, dass Sie sich vor einer Schwangerschaft oder Krankheiten schützen.
Krankheiten, die beim Sex übertragen werden, nennt man STI.
Manche Menschen glauben fälschlich, dass Verhütung nach der Menopause nicht mehr nötig ist.
Menopause heißt: Frauen bekommen keine Regelblutung mehr.
Aber Schutz vor Krankheiten bleibt wichtig.

Wenn jemand in eine Pflegeeinrichtung zieht, gibt es viel Neues.
Man hat oft weniger Privatsphäre.
Das heißt: Man ist mehr mit anderen zusammen und nicht mehr so viel allein im eigenen Zimmer.
Das kann beim Thema Sexualität wichtig sein.

Krankheiten, Medikamente und Veränderungen im Körper können die Lust auf Sex und die Sexualität verändern.

Wenn du deinen Partner oder deine Partnerin verloren hast, lebst du vielleicht alleine.
Dann gibt es oft neue Fragen:

  • Wie möchte ich Nähe und Zärtlichkeit erleben?
  • Was ist für mich Sexualität jetzt?

Es ist wichtig, über diese Themen zu reden.
So werden alle Fragen geklärt.

Gerprächseinstiege:

Ich habe gelesen, dass sexuell übertragbare Infektionen gerade bei älteren Menschen wieder zunehmen. Wollen wir mal gemeinsam schauen, was man beachten sollte?

Du lernst gerade viele neue Menschen kennen. Hast du dir überlegt, wie du mit neuen Partner*innen über Verhütung sprechen willst?

Wie wird Sexualität eigentlich bei euch im Pflegeheim gehandhabt? Gibt es private Räume und wie offen wird darüber gesprochen?

Zeit zur Reflexion – Fragen an dich selbst

  • Hast du schon mal mit deinen (Groß-)Eltern über Sexualität oder Verhütung gesprochen?
  • Welche Themen oder Sorgen könnten sie beschäftigen?
  • Wenn du dich nach langer Beziehung trennen würdest, mit wem würdest du über Sexualität sprechen?
Mit Fachkräften über Sex reden

Viele Menschen möchten gerne über das Thema Sexualität sprechen.  
Zum Beispiel mit dem Arzt, der Ärztin oder Pflegekräften.  
Auch mit Psychotherapeuten oder Suchtberatern.

Aber oft fragen diese Fachleute nicht nach Sexualität.  
Das ist schade.  
Denn Sexualität gehört zum Leben dazu.

Wir möchten das ändern.  
Wir möchten darüber sprechen.

Bis sich etwas ändert, haben wir Tipps für dich:
Du kannst selbst über das Thema Sexualität sprechen.  
Du kannst das Gespräch beginnen.

Diese Tipps helfen dir dabei.

Wichtige Info:  
Sexualität meint alles, was mit Liebe, Beziehung und Sex zu tun hat.  
Jeder Mensch hat eigene Sorgen oder Wünsche dazu.

Du darfst deine Fragen und Sorgen ansprechen.
Das ist dein gutes Recht.

Tipps zum Gesprächseinstieg über Sexualität mit Fachkräften:

 

Ich habe zur Zeit mehrere Partner*innen und weiß nicht ob es etwas gibt, dass ich zum Beispiel beim Thema Verhütung und STI beachten sollte.

Ich weiß nicht so recht, wie ich darüber sprechen kann aber ich bin zur Zeit unglücklich mit meinem Sexleben.

Ich habe den Eindruck, dass sich das Medikament auf meine sexuelle Lust auswirkt, gibt es da Alternativen?

Haben Sie einen Tipp für mich, wo ich mich zum Thema sexuelle Gesundheit beraten lassen kann?

Männer gehen manchmal seltener zum Arzt oder zur Ärztin als Frauen. 

Auch für Männer sind Vorsorgeuntersuchungen aber sehr wichtig. 

Mehr dazu erfährst du in diesem Video:

Als Fachkraft über Sex reden

Sicher, sensibel & professionell kommunizieren

Warum soll man über Sexualität sprechen?

Sexualität ist ein wichtiger Teil von jedem Leben.

Sexualität ist für alle Menschen wichtig.

Sexualität betrifft viele Bereiche im Leben.

Trotzdem sprechen viele Menschen nicht über Sexualität.

Auch in Ausbildungen wird wenig darüber gesprochen.

Das ist besonders so bei Berufen im Bereich Medizin, Psychologie oder Soziales.

Viele Fachkräfte wissen nicht, wie sie über Sexualität sprechen sollen.

Sie fühlen sich dabei oft unsicher.

Die Fachkräfte sprechen deshalb selten über Sexualität.

Manchmal benutzen sie die falschen Wörter.

Hier gibt es Tipps:

  • Benutzen Sie neutrale Worte, wenn Sie über Sexualität sprechen.
  • Passen Sie Ihre Worte an, wenn Sie mehr über den Menschen wissen.
  • Geben Sie den Menschen Zeit, selbst Wörter zu wählen.
  • Vermeiden Sie Vermutungen.
  • Glauben Sie nicht zu wissen, wie eine Person lebt, liebt oder fühlt.
  • Fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind.

Sprechen Sie auch über Sexualität, wenn die Person es nicht selbst anspricht.

Die Sexual-Anamnese richtig machen

  • Anamnese bedeutet: Ein Gespräch über die Gesundheit oder das Leben eines Menschen.
  • Sexual-Anamnese bedeutet: Sie sprechen mit einer Person über ihre Sexualität.
  • Dieses Thema ist für Ärzte und Therapeuten wichtig.
  • Es hilft, die Person besser zu verstehen.
  • Auch für Fachkräfte in sozialen oder pädagogischen Berufen ist es wichtig.
  • So kann man Menschen besser helfen.
  • Man sieht dann den ganzen Menschen.
  • Die Sexual-Anamnese soll freundlich und vertraulich sein.
  • Das bedeutet: Die Person kann offen sprechen.
  • Es bleibt alles, was gesagt wird, im Vertrauen.

Ziele

  • Vertrauensvolle Atmosphäre schaffen
  • Themen wie STI, Lust, Verhütung oder Partnerschaft ansprechen
  • Menschen ermutigen, später wiederzukommen

Was kann gefragt werden, je nach Setting und Relevanz:

  • medizinische Vorgeschichte: STIs, Schmerzen, Juckreiz
  • Gründe für das Kommen/ Symptome
  • Biographischer Hintergrund/ Lerngeschichte: sozialer Hintergrund, psychosexuelle Entwicklung
  • Sexuelle Orientierung & Identität
  • Partnerschaft: fest, wechselnd, anonym, online, monogam, polyamor, offen, geschlossen
  • Sexuelle Praktiken: Vaginal-, Oral-, Analverkehr, Chemsex
  • Verhütung & Prävention: Kondome, Impfstatus (HPV, Hepatitis), STI-Tests
  • Substanzkonsum: z.B. Cannabis, Amphetamine, Slamming

Gesprächseinstiege:

Wie zufrieden sind Sie aktuell mit ihrer Sexualität?

Welche Verhütungsmethode nutzen Sie derzeit? Möchten Sie dazu beraten werden?

Wann war Ihr letzter STI Test? Haben Sie dazu Fragen?

Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Diagnose auf Ihre Partnerschaft und/oder Ihre Sexualität auswirkt?

Wen fragen? Wie fragen?

  • Sexualität betrifft alle Menschen.  
    Egal ob jung oder alt.  
    Sexualität kann ein Thema für Kinder sein.  
    Auch ältere Menschen sprechen über Sexualität.
  • Man kann neutral über Sexualität sprechen.  
    Das bedeutet:  
    Man benutzt Wörter, die niemanden verletzen.  
    Man fragt erst später nach genauen Informationen.  
    Zum Beispiel: Nach Pronomen oder nach der sexuellen Orientierung.
  • Niemand muss sagen, wen er liebt oder welches Geschlecht er hat.  
    Man muss Menschen nicht dazu drängen, darüber zu sprechen.  
    Man gibt allen Menschen Raum.  
    Jeder kann selbst entscheiden, was er erzählen möchte.
  • Man fragt freundlich und offen nach Pronomen.  
    Zum Beispiel: Heißt es „sie“, „er“ oder „eine andere Form“?  
    Auch über Geschlechtsorgane oder sexuelle Orientierung soll man offen sprechen.  
    Dabei ist es wichtig, immer Respekt zu zeigen.  
    Jeder Mensch ist anders.  
    Das ist gut so.
  • Wichtige Wörter:
  • - Pronomen: Das sind Wörter wie „sie“, „er“ oder „sie“ (für mehrere Personen). Mit Pronomen sagt man, ob eine Person männlich oder weiblich oder anders angesprochen werden möchte.
    - Sexuelle Orientierung: Das ist, wen ein Mensch liebt. Zum Beispiel Männer, Frauen oder alle Menschen.
    - Respekt: Das heißt, andere Menschen achten und niemanden beleidigen.
Im digitalen Raum über Sex reden

Sexualität auf Social Media

Jeder Mensch darf selbst bestimmen.  
Du entscheidest, ob du über Sexualität sprechen möchtest.  
Du kannst selbst entscheiden, wie du darüber sprichst.  
Du kannst auch entscheiden, mit wem du über Sexualität sprichst.  
Diese Regeln gelten auch online, also im Internet.

Du solltest an die Öffentlichkeit denken.  
Viele Dinge im Internet sind nicht wirklich privat.  
Was du auf Social Media teilst, können oft viele Menschen sehen.  
Andere können Fotos oder Nachrichten speichern.  
Sie machen zum Beispiel einen Screenshot.  
Sie können deine Nachrichten weiterleiten.  
Du hast dann keine Kontrolle mehr darüber.

Sprich immer respektvoll.  
Genauso wie in Gesprächen im echten Leben.  
Auch im Internet darf Sprache niemanden verletzen.  
Du darfst niemanden beleidigen oder diskriminieren.  
Bodyshaming bedeutet: jemanden wegen seines Körpers schlecht zu machen.  
Das ist auch eine Beleidigung.  
Teile keine sensiblen Inhalte von anderen ohne deren Erlaubnis.  
Das ist eine Form von Gewalt.

Kenne die Regeln jeder Plattform.  
Viele Seiten haben eigene Regeln.  
Man nennt diese Regeln: Community-Richtlinien.  
Sie sind wichtig beim Teilen von privaten oder sexualisierten Inhalten.  
Es schützt dich, wenn du diese Regeln kennst.

Was ist Sexting?

Sexting heißt:  
Menschen schicken sich Nachrichten, Fotos oder Videos mit sexuellem Inhalt.  
Sie machen das freiwillig.  
Sie sind damit einverstanden.  
Manchmal machen Paare das.  
Manchmal zeigt eine Person so ihre sexuelle Selbstbestimmung.  
Sexting kann aufregend sein.  
Aber Sexting hat auch Risiken.  
Andere könnten deine Nachrichten oder Fotos ohne deine Erlaubnis weitergeben.  
Manchmal machen andere Druck, dass du so etwas schickst.  
Denke immer genau nach, bevor du Sexting machst.

Safer Sexting: Tipps

  • Einverständnis klären: Sexting sollte nur stattfinden, wenn wirklich alle Beteiligten Lust darauf haben. Druck oder Überredung machen Sexting übergriffig.
  • Finde deine eigene Sprache! Sexting kann ganz unterschiedlich aussehen. Finde eine Art, die sich für dich und die andere Person richtig anfühlt.
  • Privatsphäre schützen: keine Gesichter, markanten Tattoos oder Wohnumgebungen zeigen, wenn Inhalte anonym bleiben sollen.
  • Sichere Kanäle wählen: Ende-zu-Ende verschlüsselte Messenger sind sicherer als andere Social-Media-Plattformen
  • Rechte kennen: die Weitergabe intimer Bilder ohne Zustimmung ist verboten und kann strafbar sein. Mehr dazu findest du hier: www.bka.de
  • Löschen als Option: Bilder oder Nachrichten dürfen jederzeit zurückgezogen oder gelöscht werden, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt.

Hilfe für Betroffene

Wenn Sexting-Inhalte ohne Zustimmung verbreitet werden oder jemand unter Druck gesetzt wird:

  • Vertrauenspersonen einbeziehen (Freund*innen, Beratungsstellen, Fachkräfte)
  • Beweise sichern (Screenshots, Chatverläufe)
  • Unterstützungsangebote nutzen, z.B. Online-Beratungen von der Nummer gegen Kummer, Juuuport oder andere Hilfetelefone
  • Rechtliche Schritte sind möglich: Betroffene haben Rechte, auch wenn es sich zunächst überwältigend anfühlt. Auch der „Weiße Ring“ ist eine gute Anlaufstelle.

 

Februar, 2026

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Quellen

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