Geschlechtsorgane
Geschlechtsorgane haben verschiedene Aufgaben.
Sie sind wichtig für die Fortpflanzung.
Sie sind auch wichtig für Lust und sexuelle Erregung.
Es gibt verschiedene Geschlechtsorgane.
Manche Menschen haben einen Penis.
Diese Organe nennt man oft „männlich“.
Manche Menschen haben eine Vulva und eine Vagina.
Diese Organe nennt man oft „weiblich“.
Mit „männlich“ oder „weiblich“ sind nicht immer Männer oder Frauen gemeint.
Gemeint sind die Körperteile.
In diesem Text geht es um das biologische Geschlecht.
Das biologische Geschlecht meint den Körper.
Was sind Geschlechtsorgane?
Geschlechtsorgane sind Körperteile.
Sie haben mit Fortpflanzung zu tun.
Sie haben auch mit Sexualität, Lust und Hormonen zu tun.
Es gibt innere Geschlechtsorgane.
Zum Beispiel die Gebärmutter oder die Prostata.
Es gibt äußere Geschlechtsorgane.
Zum Beispiel den Penis oder die Vulva.
Vielfalt statt Schubladen
Oft wird zwischen „männlich“ und „weiblich“ unterschieden.
Gemeint sind damit oft Menschen mit Penis.
Das nennt man „männlich“.
Oder Menschen mit Vagina.
Das nennt man „weiblich“.
Aber nicht alle Menschen passen in diese Einteilung.
Zum Beispiel inter* Menschen.
Auch zwischen „männlich“ und „weiblich“ gibt es Übergänge.
Es ist also nicht immer ganz klar zu trennen.
Kein Körper sieht genau gleich aus.
Auch Geschlechtsorgane sehen immer unterschiedlich aus.
Und das ist ganz normal.
In Pornos sieht man aber oft nur das Gleiche.
Zum Beispiel sehr große Penisse.
Oder sehr glatte Vulven.
Oder sehr große Brüste.
Das ist nicht die echte Wirklichkeit.
Diese Bilder zeigen nur eine Fantasie.
Solche Bilder können falsche Erwartungen machen.
Wörter für Geschlechtsorgane können verwirrend sein.
Besonders bei „weiblichen“ Geschlechtsorganen.
Manche Wörter passen nicht gut.
Oder sie sagen nicht genau, was gemeint ist.
Es gibt kaum medizinische Bilder von verschiedenen Geschlechtsorganen.
In der Medizin gibt es Regeln für Behandlungen.
Diese Regeln richten sich oft nur nach „weiblichen“ oder „männlichen“ Geschlechtsorganen.
Deshalb zeigen wir diese Organe in diesem Text.
Wir schreiben „weiblich“ und „männlich“ in Anführungszeichen.
Damit meinen wir nur das biologische Geschlecht.
Die sogenannten "weiblichen" Geschlechtsorgane
Die äußeren Geschlechtsorgane nennt man Vulva.
Man kann die Vulva von außen sehen.
Jede Vulva sieht anders aus.
Das ist ganz normal.
Zur Vulva gehören verschiedene Teile:
Die Klitoris
Die Vulva ist sehr empfindlich.
Dafür sorgen viele Nerven in der ganzen Vulva.
Der empfindlichste Teil ist die Klitoris.
Die Klitoris ist wichtig für Lust.
Man sieht nur die Spitze der Klitoris.
Der größte Teil liegt im Inneren vom Körper.
Wenn ein Mensch erregt ist, kann die Klitoris anschwellen.
Sie kann auch steif werden.
Viele Menschen bekommen einen Orgasmus durch die Klitoris.
Das kann durch Berührung von außen oder von innen passieren.
Von innen zum Beispiel über die Vagina.
Manche Forschende sagen:
Der sogenannte G-Punkt gehört zur Klitoris.
Die Bartholin-Drüsen machen eine Flüssigkeit.
Diese Flüssigkeit macht die Vulva feucht.
Die Vagina macht ihre Feuchtigkeit selbst.
Dafür sorgen besondere Zellen in der Wand der Vagina.
Die Vulva ist der äußere Teil der Geschlechtsorgane.
Sie verbindet sich mit der Vagina und den inneren Geschlechtsorganen.
Die Vagina ist etwa 10 Zentimeter lang.
Sie ist dehnbar und elastisch.
Die Vagina verbindet die Vulva mit der Gebärmutter, den Eileitern und den Eierstöcken.
In der Vagina gibt es ein gesundes Scheidenmilieu.
Auch der Ausfluss ist wichtig.
Beides schützt davor, dass Bakterien in die Gebärmutter kommen.
Manche Menschen benutzen das Wort Vulvina.
Das Wort setzt sich aus Vulva und Vagina zusammen.
Mit dem Wort Vulvina sind beide Teile gemeint.
Also die äußeren und die inneren Geschlechtsorgane.
Das Wort Vulvina soll helfen, ohne Angst oder Scham über den Körper zu sprechen.
Es soll das eigene Körpergefühl stärken.
Nach geschlechtsangleichenden Operationen bekommen manche trans* Frauen neue Geschlechtsorgane.
Diese neuen Organe nennt man in der Medizin:
Neo-Vulva und Neo-Vagina.
Beide zusammen nennt man auch Neo-Vulvina.
Mythos Hymen ("Jungfernhäutchen")
Am sogenannten Jungfernhäutchen kann man erkennen, ob jemand schon Sex hatte.
Lüge
Das Hymen ist eine kleine Hautfalte am Eingang der Vagina.
Es zeigt nicht, ob jemand schon Sex hatte.
Es ist kein Beweis für Jungfräulichkeit.
Das Hymen kann beim Sex einreißen.
Es kann aber auch beim Sport oder durch andere Dinge einreißen.
Manchmal blutet es dabei – manchmal nicht.
Ob das Hymen da ist oder nicht, sagt nichts über sexuelle Erfahrungen aus.
Schmerzen beim Sex
Schmerzen beim Sex
Die sogenannten "männlichen" Geschlechtsorgane
Die äußeren männlichen Geschlechtsorgane sind der Penis und der Hodensack.
Der Hodensack wird auch Skrotum genannt.
Penis und Hodensack sehen bei jedem Menschen anders aus.
Sie unterscheiden sich in Größe, Form und Aussehen.
Der Penis hat drei Teile:
Die Wurzel, den Schaft und die Eichel.
Die Eichel ist sehr empfindlich.
Sie ist mit Schleimhaut bedeckt.
Die Eichel wird von der Vorhaut geschützt.
Die Vorhaut ist ein Stück Haut, das sich bewegen kann.
Wenn ein Mensch erregt ist, füllt sich der Penis mit Blut.
Dann wird der Penis meistens größer und steif.
Manche Menschen haben eine enge Vorhaut.
Dann kann ein Arzt die Vorhaut verkürzen oder ganz entfernen.
Das nennt man Beschneidung.
Mehr dazu steht im Kapitel Penisbeschneidung.
Im Penis verläuft ein dünner Gang.
Dieser Gang heißt Harnröhre.
Durch die Harnröhre fließt Urin.
Auch der Samen fließt durch die Harnröhre.
Der Hodensack ist eine Hülle für die Hoden.
Darin liegen auch die Nebenhoden.
Von dort gehen die Samenleiter ab.
Die äußeren „männlichen“ Geschlechtsteile sind sehr empfindlich.
Sie enthalten viele feine Nerven.
Wenn diese Nerven berührt oder gereizt werden, kann das erregend sein.
Dann wird der Penis hart.
Dabei kann Flüssigkeit aus der Harnröhre kommen.
Wenn die Erregung weiter zunimmt, kann ein Orgasmus entstehen.
Dabei kommt es oft zu einem Samenerguss.
Die Hoden liegen im Hodensack.
Trotzdem gehören sie zu den inneren Geschlechtsorganen.
Die Hoden haben zwei Aufgaben:
Sie produzieren das Hormon Testosteron.
Und sie bilden Samenzellen. Diese nennt man auch Spermien.
Die Nebenhoden speichern die Spermien.
Dort lernen die Spermien, sich zu bewegen.
Die Samenleiter bringen die Spermien zur Prostata.
Die Prostata und die Bläschendrüsen machen eine besondere Flüssigkeit.
Diese Flüssigkeit mischt sich mit den Spermien.
So entsteht Sperma.
Das Sperma fließt durch die Harnröhre nach außen.
Nach geschlechtsangleichenden Operationen bekommen manche trans* Männer neue Geschlechtsorgane.
In der Medizin nennt man diese neuen Organe:
Neo-Penis und Neo-Hoden.
Intergeschlechtliche Geschlechtsorgane
Geschlecht ist nicht nur „männlich“ oder „weiblich“.
Es gibt viele verschiedene Geschlechter.
Das gilt nicht nur für die Gesellschaft.
Auch in der Biologie und Medizin ist Geschlecht vielfältig.
Inter* Menschen haben Merkmale von „männlich“ und „weiblich“ zugleich.
Zum Beispiel Hoden und eine Gebärmutter.
Das Wort Inter* zeigt:
Auch intergeschlechtliche Menschen sind sehr unterschiedlich.
Welche Körpermerkmale als „männlich“, „weiblich“ oder inter* gelten, ist nicht immer eindeutig.
Manche Merkmale überschneiden sich.
Manche sind dazwischen.
Inter* kann sich auf verschiedene Bereiche im Körper beziehen.
Chromosomen
XX = weiblich
XY = männlich
Keimdrüsen
Eierstöcke = weiblich
Hoden = männlich
Innere Genitalien
Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Vagina = weiblich
Samenleiter und Prostata = männlich
Geschlechtshormone
Viel Östrogen = weiblich
Viel Testosteron = männlich
Äußere Genitalien
Vulva = weiblich
Penis = männlich
Viele Menschen denken:
Alle Körpermerkmale passen immer klar zusammen.
Zum Beispiel bei Genen, Hormonen und Geschlechtsorganen.
Aber das stimmt nicht.
Es gibt viele Unterschiede bei den Merkmalen.
Zum Beispiel bei den Chromosomen.
Dort gibt es auch andere Kombinationen als nur XX oder XY.
Deshalb gibt es keine typischen inter*-Geschlechtsorgane.
Denn es sind viele Kombinationen möglich.
Jede Person ist anders.
Sekundäre Geschlechtsmerkmale
Sekundäre Geschlechtsorgane entstehen in der Pubertät.
Sie sind nicht direkt für die Fortpflanzung da.
Bei „männlichen“ Körpern gehören dazu:
Körperhaare am Rücken, an der Brust, am Bauch, unter den Achseln, im Gesicht und im Intimbereich.
Bei „weiblichen“ Körpern gehören dazu:
Die Brüste.
Körperhaare.
Und neue Körperformen wie breitere Hüften und eine schmalere Taille.
Diese Merkmale sind bei vielen Menschen unterschiedlich.
Der Übergang zwischen „männlich“ und „weiblich“ ist oft fließend.
Manche Menschen mit Vulva haben zum Beispiel Haare im Gesicht oder viele Körperhaare.
Manche Menschen mit Penis bekommen auch kleine Brüste.
Ejakulation und Orgasmus
Beim Samenerguss ziehen sich bestimmte Muskeln im Becken zusammen.
Diese Muskeln drücken das Sperma durch die Harnröhre nach außen.
Das nennt man Ejakulation.
Ein Orgasmus kann mit Samenerguss passieren.
Aber auch ohne.
Ein Samenerguss kann auch ohne Orgasmus passieren.
Bei manchen Menschen mit Vulva tritt beim Sex Flüssigkeit aus.
Das nennt man „Squirting“.
Auf Deutsch sagt man auch „Ejakulation von Menschen mit Vulva“.
Dabei kommt mehr Flüssigkeit als beim normalen Feuchtwerden.
Das kann mit oder ohne Orgasmus passieren.
Manchmal ist es nur wenig Flüssigkeit.
Manchmal ist es mehr.
Ein Teil der Flüssigkeit kommt aus der Blase.
Aber es ist kein reiner Urin.
Die Zusammensetzung ist bei jeder Person anders.
Ob jemand squirten kann oder nicht, sagt nichts über die Befriedigung aus.
Es sagt auch nichts über den Orgasmus aus.
Ein Orgasmus ist nicht nötig, damit Sex gut ist.
Und Sex muss nicht nach dem Orgasmus enden.
In vielen Pornos endet der Sex mit dem Orgasmus von Menschen mit Penis.
Dabei spritzt oft Sperma aus.
Aber Sex kann auch danach noch weitergehen.
Früher hat man beim Orgasmus von Menschen mit Vulva zwei Arten unterschieden:
Den vaginalen Orgasmus
Und den klitoralen Orgasmus
Heute zeigen einige Studien:
Der sogenannte vaginale Orgasmus entsteht durch die Klitoris.
Die Klitoris wird dabei von innen über die Vagina gereizt.
Deshalb gehören beide Orgasmusarten zur Klitoris.
Die Forschung zum Orgasmus bei Menschen mit Vulva ist noch nicht abgeschlossen.
Es gibt noch viele offene Fragen.
Mythos G-Punkt
Den G-Punkt gibt es.
Jein
Ob es den G-Punkt wirklich gibt, ist noch nicht sicher.
Der G-Punkt soll ein besonderer Bereich in der Vagina sein.
Dieser Bereich soll sehr empfindlich auf Berührung reagieren.
In Studien sagen etwa 63 Prozent der Menschen mit Vagina:
Ich habe einen G-Punkt.
Die Forschung zeigt aber unterschiedliche Ergebnisse.
Etwa die Hälfte der Studien findet den G-Punkt.
Die andere Hälfte findet keinen Beweis dafür.
Auch Untersuchungen mit Bildern zeigen keine klaren Ergebnisse.
Viele Forschende sagen:
Der G-Punkt könnte ein Teil der Klitoris sein.
Denn die Klitoris liegt auch um die Vagina herum.
Darüber können Menschen mit Vulva einen Orgasmus bekommen.
Wo genau der G-Punkt liegt und wie er aussieht, ist bisher nicht klar.
Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.
Erogene Zonen
Manche Berührungen können sehr erregend sein.
Zum Beispiel Streicheln, Küssen oder Lecken.
Das gilt besonders für Körperstellen, die sehr empfindlich sind.
Diese Stellen nennt man erogene Zonen.
Erogene Zonen sind zum Beispiel:
Die Geschlechtsorgane
Die Brüste
Die Lippen
Die Ohrläppchen
Und viele andere Stellen am Körper
Diese Zonen reagieren stark auf Berührungen.
Sie können sexuelle Erregung auslösen.
Forscherinnen und Forscher haben untersucht, wo diese Zonen sind.
Bei Menschen mit Vulva oder Brüsten
Und bei Menschen mit Penis
Die Ergebnisse zeigen:
Erregende Zonen gibt es überall am Körper.
Und sie können bei jedem Menschen anders sein.