Geschlechtsidentitäten
- dem biologischen, also dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht und
- „Gender“. Es beschreibt die soziale und persönliche Dimension von Geschlechtszugehörigkeit, also, wie Menschen sich selbst verstehen und wie sie von der Gesellschaft wahrgenommen werden
Geschlecht ist mehr als „männlich“ oder „weiblich“. Es beschreibt nicht nur den Körper, mit dem jemand geboren wird, sondern auch die persönliche Identität und wie Menschen sich selbst wahrnehmen.
Für manche passt die eigene Identität zu den bei der Geburt zugeschriebenen Kategorien, für andere nicht. Das nennt man dann Gender Dysphorie. Gender Dysphorie kann beispielsweise bei trans* oder inter* Personen vorkommen, muss es aber nicht. Es gibt vielfältige Körperkonzepte jenseits dieser binären Vorstellung. Viele Menschen definieren ihren Körper auf eine Weise, der zu ihrer Identität passt, unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen.
Entscheidend ist, dass jede Person selbstbestimmt über ihren Körper und ihre Identität entscheiden kann. Geschlechtsidentität kann vielfältig, fließend und individuell sein. Sexualität ist unabhängig von Gender in uns allen und immer dann, wenn Sexualität und Gender aufeinandertreffen, kann es auch Besonderheiten geben.
Unsere Gesellschaft ist durch eine binäre Geschlechterordnung geprägt. Diese Alltagstheorie besagt, dass es nur zwei Geschlechter gibt und jeder Mensch das eine oder das andere Geschlecht hat. Außerdem steht ihr nach die Geschlechtszugehörigkeit von Geburt an fest und verändert sich nicht und kann anhand der Genitalien ohne Zweifel erkannt werden.
Diese Theorie ist nicht wissenschaftlich fundiert aber trotzdem weit verbreitet, was zu einem großen Leidensdruck bei Personen führen kann, die sich nicht in der binären Geschlechterordnung wiederfinden. Durch Normen, in Medien aber auch in Gesetzen oder im Gesundheitssystem ist die binäre Geschlechterordnung teilweise noch immer tief verankert.
Unter anderem dadurch, dass wir geschlechtliche Vielfalt in unserem Alltag anerkennen, können wir die bisher geltenden Normen aufbrechen und dazu beitragen, Menschen außerhalb der Binarität zu empowern.
Zeit zur Reflektion
Eigene Haltung hinterfragen
Nimm dir kurz Zeit zu überlegen, wo Du vielleicht noch innerhalb einer binären Geschlechterordnung denkst.
Schließt du z.B. durch den Namen von Personen auf ihr Geschlecht und gehst davon aus, dass es sich um einen Mann oder eine Frau handelt?
Bist du überrascht oder irritiert, wenn jemand nicht ins "traditionell" Mann-Frau Schema passt?
Hinterfrage ich meine eigenen Annahmen über Geschlecht regelmäßig, oder nehme ich sie als selbstverständlich an?
Begriffsdefinitionen
Geschlechtsidentitäten haben verschiedene Begriffe und Bezeichnungen. Einige davon werden im folgenden erklärt.
Cisgeschlechtlichkeit
Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Transgeschlechtlichkeit/ trans*
Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht (oder nicht vollständig) mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Intergeschlechtlichkeit
Menschen, die mit körperlichen Merkmalen (z. B. Chromosomen, Hormonen oder Genitalien) geboren werden, die nicht eindeutig in die medizinische Norm „männlich“ oder „weiblich“ passen. Intergeschlechtlichkeit ist eine natürliche Variation des menschlichen Körpers. Viele inter* Personen erleben gesellschaftlichen Druck, sich in ein binäres System einzuordnen, oder medizinische Eingriffe ohne ihre Zustimmung.
Nonbinarität
Menschen, die sich weder ausschließlich als Mann noch ausschließlich als Frau verstehen.
Mehr dazu
Hier findest du detailliertere Informationen zu den Themen trans*, inter* und nicht-binär.
Genderqueerness
Ähnlich wie nonbinär, ein Sammelbegriff für Identitäten jenseits von „Mann“ und „Frau“.
Agender
Menschen, die kein Geschlecht empfinden oder sich keiner Geschlechtsidentität zugehörig fühlen.
Bigender
Menschen, die sich mit zwei Geschlechtern identifizieren, gleichzeitig oder abwechselnd.
Genderfluid
Menschen, deren Geschlechtsidentität sich im Laufe der Zeit verändert oder zwischen verschiedenen Ausdrucksformen fließt.
Geschlechtliche Zuschreibungen
Geschlecht ist vielfältig, es gibt nicht nur zwei Kategorien
Zuschreibungen sind nicht bindend, das „Geburtsgeschlecht“ bestimmt nicht automatisch die Identität
Veränderungen sind normal. Identität kann sich verändern, wachsen oder in Bewegung bleiben,
Sprache schafft Sichtbarkeit (mehr dazu hier): Begriffe helfen, Erfahrungen zu benennen, auch wenn nicht alle Menschen dieselben Wörter verwenden.
Geschlecht wird Menschen oft direkt bei der Geburt zugeschrieben, meist auf Grundlage äußerer körperlicher Merkmale wie Genitalien. Diese Zuschreibungen sind jedoch nicht für alle Menschen passend und spiegeln nicht die gesamte Bandbreite von Geschlechtsidentitäten wider. Viele Menschen leben ein Geschlecht, das nicht mit der bei der Geburt erfolgten Zuordnung übereinstimmt. Diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Akzeptanz und Respekt.
Ein zentraler Teil davon sind Pronomen, also die Wörter, mit denen wir über Personen sprechen (z. B. „sie“, „er“, „they“). Pronomen sind ein Ausdruck von Identität und Selbstbestimmung. Wenn wir die Pronomen einer Person respektieren und richtig verwenden, zeigen wir Anerkennung und schaffen ein Umfeld, in dem sich Menschen sicher und gesehen fühlen können.
Pronomen
Pronomen und ihre Anwendung
Pronomen sind Wörter, die wir anstatt von Namen verwenden (z.B. „er“, „sie“ oder „they“). Sie zeigen oft Geschlecht an und sind ein wichtiger Teil davon, wie Menschen gesehen und respektiert werden. Die bevorzugten Pronomen von Personen können sich mit der Zeit verändern. Manche Menschen nutzen eine Kombination von Pronomen, zum Beispiel sie/they oder er/they. Das bedeutet in der Regel: beide Formen sind richtig und können abwechselnd verwendet werden. Für viele ist das ein Weg, ihre Identität besser abzubilden. Die richtigen Pronomen zu verwenden, ist ein Zeichen von Anerkennung und Wertschätzung.
Pronomen
Er/Ihn
Anwendung
für Menschen, die sich (ganz oder teilweise) männlich identifizieren.
Pronomen
They/them (oder dey/dem), englisch, zunehmend auch im Deutschen genutzt
Anwendung
geschlechtsneutral, für nonbinäre, genderfluide oder alle, die es bevorzugen.
Pronomen
Keine Pronomen
Anwendung
Manche Menschen möchten ausschließlich mit ihrem Namen angesprochen werden.
Pronomen
Sie/Ihr
Anwendung
für Menschen, die sich (ganz oder teilweise) weiblich identifizieren.
Pronomen
Xier/Xiem/Xies
Anwendung
geschlechtsneutrale Pronomen, die vor allem in queeren und aktivistischen Kontexten genutzt werden.
Anwendung im Satz
Er geht heute ins Kino. Ich treffe ihn später.
Sie liest ein Buch. Ich gebe ihr das Glas.
They sind meine Freund*in. Ich habe them gestern gesehen.
Xier schreibt eine Nachricht. Ich antworte xiem sofort.
Der Umgang mit Pronomen im Alltag
Nach Pronomen fragen: einfach und respektvoll („Welche Pronomen benutzt oder bevorzugst du?“)
Nicht von bestimmten Pronomen ausgehen: nicht vom Aussehen oder Namen auf Pronomen schließen.
Fehler korrigieren: Wenn du falsche Pronomen benutzt, kurz verbessern und weitermachen.
Pluralformen: Im Deutschen lassen sich neutrale Formen auch mit „Person“ oder Umschreibungen bilden („die Person, die…“)
Respekt vor Vielfalt: Sprache entwickelt sich und es gibt keine „falschen“ Pronomen, wenn Menschen sich damit wohlfühlen.
LSBTIQ*
Das Kürzel LSBTIQ*oder ähnliche Abkürzungen tauchen oft auf, wenn es um geschlechtliche Vielfalt und sexuelle Orientierungen geht und sind dabei ein Sammelbegriffe, die Vielfalt sichtbar machen sollen.
- L- Lesbisch: Frauen (oder Personen, die sich als Frauen identifizieren), die sich zu Frauen hingezogen fühlen.
- S- Schwul: Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen.
- B- Bisexuell: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen.
- T- Trans: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht (oder nicht vollständig) mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
- I- Intergeschlechtlich: Menschen, die mit körperlichen Merkmalen geboren werden, die nicht eindeutig in das medizinische Schema „männlich“ oder „weiblich“ passen.
- Q- Queer: Sammelbegriff für Identitäten und Orientierungen jenseits der Heteronorm, wird auch als politische Selbstbezeichnung genutzt.
- *- Sternchen: steht für Offenheit. Es zeigt, dass noch viele weitere Identitäten und Orientierungen gibt, die nicht in den Buchstaben enthalten sind (z-B. pansexuell, aromantisch, agender, genderfluid.
Wichtig zu wissen:
LSBTIQ* ist ein inklusives Konzept, keine starre Liste. Das * macht deutlich, dass es neben den genannten Buchstaben noch viele weitere Identitäten und Orientierungen gibt, die mitgemeint sind. So bleibt der Begriff offen und schließt niemanden aus.
Die einzelnen Buchstaben haben eigene Geschichten und Communities, gehören aber zusammen, weil sie ähnliche Kämpfe um Anerkennung, Rechte und Sichtbarkeit teilen.
Hilfeeinrichtungen & Anlaufstellen
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Geschlechtliche Vielfalt im Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem spielt eine zentrale Rolle für die körperliche und psychische Gesundheit aller Menschen. Inbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Personen erleben hier aber häufig Diskriminierung, Missachtung oder sogar Verweigerung medizinischer Leistungen. Ursachen liegen in der binären Geschlechterordnung, die unsere Gesellschaft prägt. Auch im Gesundheitssystem herrscht noch an vielen Stellen die Überzeugung, dass Menschen in zwei Geschlechter unterteilbar sind. Damit gelten trans* Menschen als Abweichungen einer Norm und werden pathologisiert. „Pathologisieren“ bedeutet, etwas als krankhaft oder behandlungsbedürftig darzustellen, obwohl es sich nicht zwangsläufig um eine Krankheit handelt. Geschlechtliche Abweichungen von der Norm sind ganz klar keine Krankheiten sondern ganz natürlich.
Geschlecht und geschlechtliche Vielfalt spielen auch in der medizinischen Versorgung von Menschen eine Rolle. Das gilt insbesondere dann, wenn es um körperliche Themen, Genderkonflikte oder sexuelle Funktionsstörungen geht. Hier ist ein besonders (gender-) sensibles Vorgehen gefragt.
Trans* Menschen berichten, dass sie aus Angst vor Diskriminierung Ärzt*innenbesuche vermeiden oder schlechte Erfahrungen machen, z.B. durch absichtliches Misgendern, unsensible Fragen oder den Ausschluss von Behandlungen. Das kann schwere Folgen haben: von mangelnder Vorsorge über unnötige psychische Belastungen bis hin zu erhöhter Suizidalität durch Minderheitenstress.
Verzeichnis sensibilisierter Ärzt*innen und Therapeut*innen
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Queermed
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Queermed
Gesundheitliche Versorgung muss für alle Menschen diskriminierungsfrei zugänglich sein. Wer geschlechtliche Vielfalt anerkennt, trägt nicht nur zur Würde und Sicherheit von Patient*innen bei, sondern auch zur Qualität der medizinischen Versorgung von queeren Personen.