Sexualpraktiken, Fetische & Kinks
Sexualpraktiken, Fetische und Kinks sind so vielfältig wie Menschen selbst. Was als sexuell erlebt wird, kann sehr unterschiedlich aussehen.
Für manche steht Zärtlichkeit und Nähe im Vordergrund, für andere Lust, Fantasie oder körperliche Stimulation. Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Art, Sexualität zu leben. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten einverstanden sind und sich wohlfühlen.
Sexualität kann alleine, zu zweit oder mit mehreren Menschen erlebt werden und umfasst weit mehr als Penetration. Die Vielfalt sexueller Praktiken zeigt, wie individuell und wandelbar Sexualität ist.
Wichtig: Manche sexuelle Praktiken können auch zu Leid führen und sind mit Risiken verbunden. Wir bemühen uns, an den entsprechenden Stellen darauf hinzuweisen und setzen uns dafür ein, dass Intimität, Lust und Spaß im Vordergrund stehen.
Queere Praktiken
Queere Sexualpraktiken sind Wege, Intimität und Lust jenseits von heteronormativen Vorstellungen und Regeln zu leben. Sie umfassen alles von nicht-monogamen Beziehungen über BDSM bis hin zu Sex ohne feste Partnerschaft. Forschung zeigt: viele queere Menschen wägen ab, was ihnen guttut, und was durch Vorurteile oder Unsicherheiten blockiert wird.
Was bedeutet queerer Sex?
Queer heißt, Normen wie “erst Beziehung, dann Sex” zu hinterfragen. Studien mit queeren Menschen beschreiben Praktiken wie Masturbation allein, Sex mit Partner*innen oder lockere Treffen. Wichtig ist Konsens und was einem selbst gefällt. Manche wählen sogar bewusst Enthaltsamkeit und verzichten auf Sex. In anderen Untersuchungen werden Intimität ohne Penetration oder in Gruppen als queere Praktiken beschrieben.
Die folgenden Beispiele sollen die Vielfalt von Sexualpraktiken darstellen und dir einen Überblick darüber geben, auf welche Arten Menschen ihre Sexualität ausleben können.
Alleine, zu zweit oder in der Gruppe
Sexualität kann alleine, zu zweit oder mit mehreren Personen erlebt werden.
- Solosex umfasst Masturbation, das Nutzen von Toys oder Fantasien
- Duosex kann Küsse, Berührungen, Oralverkehr, Penetration (vaginal oder anal) oder gegenseitige Masturbation beinhalten
- Gruppensex beschreibt Praktiken mit mehreren Beteiligten wie z.B. Dreier, Sexpartys oder gemeinsame Masturbation in der Gruppe
Jede Form kann sehr unterschiedlich aussehen. Manche Menschen mögen Zärtlichkeit, andere Dynamik oder Rollenwechsel. Entscheidend sind Konsens, klare Kommunikation und Safer Sex-Strategien.
Masturbation
Masturbation (oder auch Selbstbefriedigung) meint die sexuelle Stimulation des eigenen Körpers. Sie kann alleine oder mit anderen stattfinden und dient vielen Menschen dazu, den eigenen Körper kennenzulernen, Lust zu erleben oder Stress abzubauen.
Manche Menschen stimulieren mit der Hand ihre Genitalien, andere erkunden empfindliche Körperstellen wie Brustwarzen oder den Anus. Masturbation kann im Bett, in der Badewanne, unter der Dusche oder mit Hilfsmitteln stattfinden. Manche Menschen nutzen Stimulation wie Pornos oder Audios, um in Stimmung zu kommen.
Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ dabei und jede Person darf selbst entscheiden, wie und ob sie masturbiert. Masturbation kann unabhängig von Alter, Beziehungsstatus und sexueller Orientierung ein normaler Bestandteil von Sexualität sein.
Mythos
Masturbation ist ein Männer-Thema.
Nein!
Menschen aller Geschlechtsidentitäten masturbieren. Welche Auswirkungen Masturbation hat und aus welchen Gründen Menschen masturbieren, kann sich jedoch nach Geschlecht unterscheiden.
Studien zeigen, dass Masturbation bei Männern eher als Ersatz für unbefriedigende Sexualbeziehungen dient und bei Frauen häufiger als Ergänzung zu Sex in Partnerschaften und als Ausdruck sexueller Selbstbestimmung gelebt wird.
Menschen (insbesondere Frauen), die viel Sex haben und viel masturbieren, erleben höheres sexuelles Verlangen, bessere Erregung, bessere Orgasmusfähigkeit und insgesamt eine höhere sexuelle und partnerschaftliche Zufriedenheit. Menschen, die viel masturbieren und wenig Sex haben hingegen, erleben eine geringere Zufriedenheit.
Über Masturbation bei trans*, inter* oder non-binären Personen gibt es keine Studien. In manchen werden sie zwar mit befragt, die Ergebnisse beziehen sich dann aber trotzdem nur auf cis-Männer undcis-Frauen.
Auf Masturbation verzichten und "NoFap"
Zwischen Selbsthilfe und Ideologie
Auf Masturbation verzichten und "NoFap"
In Online-Foren diskutieren vor allem junge Männer unter dem Begriff NoFap über den bewussten Verzicht auf Masturbation und Pornografie. Während viele Teilnehmer einfach einen gesünderen Umgang mit ihrer Sexualität suchen, zeigt die Forschung, dass hinter diesem Trend sehr unterschiedliche Weltbilder stecken.
Warum schließen sich Männer NoFap an?
Die Gründe sind vielfältig und lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen.
Gesundheit und Suchtprävention: Viele fürchten negative Auswirkungen von exzessivem Pornokonsum, etwa erektile Dsyfunktion oder Konzentrationsstörungen und wollen ihr Belohnungssystem “neu verkabeln”
Selbstoptimierung: NoFap wird oft als Teil eines Disziplin-Trainings gesehen, um Energie für Sport, Karriere oder Finanzen nutzen zu können
Werte und Gemeinschaft: Für manche ist der Verzicht religiös begründet, während andere den Verzicht wie ein Spiel oder eine sportliche Herausforderung sehen
Warum ist Vorsicht geboten?
In NoFap Communities finden sich Einstiege in verschiedene problematische Ansichten:
Verschwörungsmythen und Rassismus: radikale rechte Gruppen nutzen das Thema, um die falsche Behauptung zu verbreiten, Pornografie sei eine gezielte jüdische Verschwörung zur Schwächung des “westlichen Mannes”
Frauenfeindlichkeit: In Teilen der Bewegung, herrscht die Ansicht, auf Masturbation zu verzichten würde Männer zu “Alphas” machen und dabei helfen, sich gegen den angeblich schädlichen Feminismus zu wehren
Druck statt Aufklärung: Anstatt ein positives Körpergefühl zu fördern, entstehen oft Schamgefühle bei Rückfällen oder ein ungesunder Leistungsdruck in Bezug auf die eigene Sexualität.
Fazit: Ein bewusster Umgang mit Medien und dem eigenen Körper ist wertvoll. Wenn eine Gemeinschaft jedoch Hass gegen andere Gruppen schürt oder Sexualität als reinen Machtkampf darstellt, ist das keine gesunde Form der Selbsthilfe.
Bei Masturbation kann es hilfreich sein, die eigenen Erogenen Zonen zu kennen.
Sextoys & Hilfsmittel
Sexspielzeug (auch Sextoys genannt) umfasst eine Vielzahl von Gegenständen und Geräten, die dafür da sind, sexuelle Lust, Körperbewusstsein und Intimität zu unterstützen. Sie können allein oder gemeinsam mit anderen genutzt werden. In den letzten Jahren hat die Forschung gezeigt, dass der Nutzen dieser Hilfsmittel über Vergnügen hinausgehen kann und positive Effekte auf körperliche, emotionale und zwischenmenschliche Ebenen haben kann.
Mehr als ein "Spielzeug"
Mehr als ein "Spielzeug"
Sexspielzeug kann helfen, den eigenen Körper besser kennenzulernen, die sexuelle Erregung gezielt zu beeinflussen und das sexuelle Wohlbefinden insgesamt zu steigern. Eine Studie ergab, dass die Verwendung von Sexspielzeug im Kontext von partnerschaftlichem Sex mit höherer Erregung, intensiveren Orgasmen und größerer sexueller Zufriedenheit verbunden ist.
Eine groß angelegte Untersuchung in mehreren europäischen Ländern zeigte, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmenden angab, ein Sextoy zu besitzen und, dass Besitz und Nutzung tatsächlich mit höherer sexueller und allgemeiner Lebenszufriedenheit zusammenhingen.
Auch für körperliche Gesundheit gibt es Hinweise auf positive Effekte. Eine Studie an Personen im mittleren bis höheren Erwachsenenalter zeigte, dass regelmäßige Nutzung von Vibratoren mit Verbesserung sexueller Funktion, einer Abnahme von Schmerzen, einer geringeren Belastung durch Beckenbodenprobleme und sogar einer Reduktion von depressiven Symptomen einhergeht.
Typische Einsatzbereiche und Vorteile von Sextoys
Sexspielzeug kann in verschiedenen Kontexten sinnvoll sein:
Selbstexploration & Körperwissen: Viele Menschen nutzen Sextoys, um herauszufinden, was ihnen gefällt, wie sie auf unterschiedliche Stimulationen reagieren und welche Bereiche ihres Körpers sensibel sind. Mehr zu sensiblen/errogenen Zonen findest du hier.
Steigerung der Lust & Erregung: Vibratoren, Dildos oder andere Stimulationstools können die sexuelle Erregung gezielt verstärken und das Erreichen eines Orgasmus erleichtern, insbesondere für Personen, die alleine oder in Partnerschaften Schwierigkeiten haben, zum Höhepunkt zu kommen. Beim Sex geht es übrigens nicht nur um Orgasmen. Mehr dazu hier.
Intimität in Beziehungen: Sexspielzeug kann die Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse fördern und damit die sexuelle Zufriedenheit in Beziehungen verbessern.
Therapeutischer Nutzen: In der Sexualmedizin werden Vibratoren zunehmend als ergänzende Hilfsmittel bei bestimmten Funktionsstörungen wie Anorgasmie (fehlen oder ausbleiben von Orgasmen) oder erektilen Herausforderungen untersucht, da die Stimulation durch Vibration positive Effekte auf sexuelle Reaktionsmuster und auch aus Beckenbodenfunktion haben kann.
Beispiele für Sexspielzeuge
Begriff
Vibratoren
Definition
Geräte, die durch Vibration sexuelle Erregung erzeugen. Sie sind vielfältig für äußere oder innere Stimulation einsetzbar.
Begriff
Penisringe
Definition
Ringe, die um den Penis gelegt werden. Können helfen, die Erektion zu verlängern und die Empfindung intensiver zu machen.
Begriff
Paartoys
Definition
Geräte, die für die gleichzeitige Nutzung im Zusammenspiel mit Partner*innen entwickelt sind, z.B. App-gesteuerte Vibratoren, die gemeinsam gesteuert werden können.
Begriff
Dildos
Definition
Nicht-vibrierende Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien und in unterschiedlichen Formen, die ein tastbares Gefühl vermitteln und meist zur Penetration verwendet werden.
Begriff
Analspielzeug
Definition
Speziell geformte Plugs oder Dildos für analen Gebrauch. Hier ist Sicherheit, z.B. durch ein breites Ende des Gegenstandes wichtig, um Verletzungen zu vermeiden.
Begriff
Masturbatoren
Definition
Künstliche, vagina-ähnliche Geräte, die zur Stimulation des Penis gedacht sind. Es gibt sie mit und ohne Vibration.
Wichtig bei allen Produkten ist die Auswahl körperverträglicher Materialien (z.B. medizinisches Silikon), gute Hygiene durch regelmäßige Reinigung mit geeigneten Mitteln und das Lesen von Herstellerhinweisen zur Vermeidung von Verletzungen. Studien zeigen, dass zwar viele Menschen Sextoys nutzen, aber die Aufklärung zu Hygiene und sicherer Anwendung oft nicht ausreicht.
Sexspielzeug & Menschen mit Behinderungen
Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen können Sexspielzeuge und Hilfsmittel besonders wichtig sein. Sie können Barrieren abbauen, Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit stärken und den Zugang zu angenehmen sexuellen Erfahrungen erleichtern.
In Zürich existieren zum Beispiel erste Entwürfe für Sextoys für Menschen mit Querschnittslähmungen. Diese sollen bewusst keine Hilfsmittel darstellen, da dies auf ein angenommen zu lösendes Problem hinweisen würde, sondern Sinnlichkeit, Lust und Neugier wecken.
Es gibt auch Produkte wie den Intimate Rider. Dieser wurde für Menschen entworfen, der aufgrund von Querschnittslähmung, Alter, chronischer Erkrankung oder Gehbehinderung keine aktive Rolle beim Sex übernehmen können. Mit dem Gerät ist weniger Kraft für die Bewegungen notwendig.
Auch Liebesschaukeln können zum Einsatz kommen, wenn z.B. beide Partner*innen eine Querschnittslähmung haben. Hier kann anfangs Unterstützung notwendig sein, dann kann der Einsatz aber bereichernd sein.
Mehr Infos zum Thema gibt es hier:
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Der Querschnitt
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Fetische & Kinks
Fetische und Kinks gehören zu den vielfältigen Ausdrucksformen menschlicher Sexualität und sind deutlich verbreitetet, als lange angenommen wurde. Sie bewegen sich auf einem Spektrum von leichten Vorlieben bis hin zu ausgeprägten Fixierungen.
Fetische und Kinks können behandlungsrelevant werden, wenn sie Leid verursachen oder das Leben deutlich einschränken.
Begriff
Fetisch
Definition
Ein Begriff aus der klinischen Psychologie, der meist eine sexuelle Fixierung auf nicht-lebendige Objekte (zum Beispiel Schuhe oder bestimmte Stoffe) oder auf einzelne Körperteile (zum Beispiel Füße) verstanden wird, die für eine Person sexuelle Erregung oder Befriedigung auslösen.
Von einer Störung spricht man erst, wenn das Verhalten über sechs Monate anhält, deutliches Leiden verursacht und wichtige Lebensbereiche beeinträchtigt.
Begriff
Kink
Definition
Ein Begriff aus dem nicht-klinischen, community-basiertem Gebrauch, der meist weiter gefasst wird als Fetisch und jede sexuelle Vorliebe, Fantasie oder Praxis meint, die vom “Standardsex” der Gesellschaft abweicht.
In der Fachliteratur und in queeren Communities wird Kink häufig vom Fetisch abgegrenzt, indem Fetisch fast als notwendige Bedingung für Erregung verstanden wird, während ein Kink eher ein “extra” ist, das den Sex intensiver macht, aber keine zwingende Voraussetzung für sexuelle Befriedigung ist. Wirklich klar abgrenzen lassen sich die Begriffe aber nicht.
Sexuelle Präferenzen und Fantasien sind von individuellen Lernerfahrungen und vom soziokulturellen Umfeld geprägt. Gleichzeitig sind Kinks und Fetische durch Pornografie, Medien und öffentliche Diskurse zunehmend im Mainstream angekommen. Repräsentative Studien dazu, wie verbreitet Kinks und Fetische sind, gibt es bisher nicht. Eine Studie, die in den USA Nutzer*innen einer kink-positiven Dating App befragt hat zeigt jedoch, dass 55% der befragten Personen aus der Generation Z seit Nutzung der App einen neuen Kink für sich entdeckt haben. 56% der Generation Z gaben zudem an, dass Praktiken aus dem BDSM-Spektrum Teil ihres Sexuallebens sind.
Wichtige Kriterien für das Ausleben von Fetischen und Kinks im Rahmen einer gesunden Sexualität sind Einvernehmlichkeit, gegenseitiger Respekt und das Ausbleiben von Leidensdruck.
SM und BDSM
SM (Sadomasochismus) und BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) bezeichnen ein breites Spektrum an sexuellen Praktiken, bei denen Macht, Kontrolle, Schmerz und Lust bewusst verhandelt werden.
Beispiele sind Fesselspiele (Bondage), Spanking (Körperreize durch Schläge), Rollenspiele mit klaren Machtverhältnissen oder sensorische Reize mit Wachs, Federn oder Paddeln.
Ein zentrales Element ist Konsens: Alles wird vorher besprochen, Grenzen werden respektiert und es kann jederzeit gestoppt werden (z.B. Durch Safewords).
| B | Bondage |
|---|---|
| D | Disziplin/ Dominanz |
| S | Submission /Sadismus |
| M | Masochismus |
Häufig werden BDSM-Praktiken als zeitlich begrenztes Spiel oder im Englischen als Session bezeichnet. Die beteiligten Personen gestalten diese bewusst gemeinsam. Dabei ist es nicht selbstverständlich, dass es zu sexuellen Handlungen wie penetrativem Sex kommt.
Umso wichtiger ist es, vorher miteinander zu sprechen. Zum Beispiel hierüber:
individuelle Wünsche und Vorlieben (z.B. Rollen, Kleidung, Spielarten, Licht oder Atmosphäre)
Abneigungen, Tabus und klare No-Gos
ein gemeinsam definierter Rahmen über Dauer, Ort oder eingesetzte Hilfsmittel
Beim Thema Sexualität & Sprache erfährst du mehr darüber, wie du über Sexualität sprechen und Gespräche beginnen kannst.
Spielzeuge, Kleidung & Vorbereitung
Spielzeuge, Kleidung & Vorbereitung
Als Spielzeug oder Kleidung kann grundsätzlich alles gelten, was allen Beteiligten Freude bereitet. Voraussetzung ist, dass es sicher und abgesprochen ist. Es können Seile, Augenbinden, Schlaginstrumente, Fesseln, Klammern, Sexspielzeuge oder bestimmte Kleidungsstücke zum Einsatz kommen.
Ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung ist der Safety Check.Dazu zählt nicht nur Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, sondern auch ein bewusster Umgang mit körperlichen Risiken.
Besonders für Anfänger*innen gilt:
keine Handlungen im Bereich Kopf, Hals und Nacken
nichts, was Nerven oder Blutbahnen abschnüren kann
nichts, was bleibende oder schwerwiegende Verletzungen verursachen könnte
BDSM & psychische Gesundheit
BDSM & psychische Gesundheit
Studien finden bei BDSM-Praktizierenden keine erhöhte Rate psychischer Störungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Teilweise zeigen sich sogar Vorteile, etwa mehr Offenheit, gute Kommunikationsfähigkeit und vergleichbar oder bessere Werte im Bereich psychischer Stabilität.
In der Fachliteratur werden teilweise physiologische Effekte wie sinkende Stresshormon-Spiegel (Cortisol) nach BDSM-Szenen sowie mehr Erleben von Vertrauen, Nähe und Intimität zwischen Partner*innen beschrieben. Es wird betont, dass sogfältige Aushandlungen, Safe Words und Wissen um Risiken wichtige Schutzfaktoren für psychische und körperliche Gesundheit sind.
Safewords & Kommunikation
Safewords & Kommunikation
Unverzichtbar ist ein Safeword: ein klar vereinbartes Wort, bei dem das Spiel sofort beendet wird, ohne Diskussion. Gängig sind neutrale Begriffe ohne sexuellen Bezug.
Alternativ oder zusätzlich kann ein Ampelsystem genutzt werden:
Grün: alles in Ordnung
Gelb: Grenze erreicht
Rot: sofortiger Abbruch
Wenn jemand nicht sprechen kann, lassen sich auch akustische Signale vereinbaren, etwa ein Gegenstand, der fallengelassen wird.
Raum für Vielfalt & Austausch
Raum für Vielfalt & Austausch
BDSM lebt von Vertrauen, Kommunikation und Kreativität. Dabei darf auch mal etwas ungewohnt, lustig oder unbeholfen sein. Das gehört dazu, unabhängig von Erfahrung oder Vorkenntnissen.
Wichtig zu wissen: Niemand ist mit seinen Vorlieben allein. In vielen Städten gibt es offene Stammtische und Austauschmöglichkeiten, oft an ganz alltäglichen Orten und ohne besondere Kleidung. Sie bieten Raum für Information, Begegnung und gegenseitige Unterstützung.
Beratung & Information für unter 27-jährige
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Sex & Drogen
Drogen können Lust steigern, Hemmungen senken und sexuelle Erfahrungen verändern, indem sie z.B. Schmerzen reduzieren (bei Praktiken wie Fisting oder BDSM), das Selbstbewusstsein steigern oder Intimität und Nähe intensivieren. Gleichzeitig erhöhen sie Risiken von ungeschütztem Sex bis hin zu Grenzverletzungen.
Chemsex
Unter Chemsex versteht man den Konsum bestimmter Substanzen im Rahmen sexueller Aktivitäten, vor allem in Teilen der MSM-Community. Entstanden in den 1990ern, verbreitete sich Chemsex auch durch Dating-Apps. Häufig genutzte Substanzen:
- Methamphetamin (Crystal, Meth, Tina, Ice),
- GHB/GBL (KO-Tropfen, Liquid Ecstasy),
- Ketamin (Keta, Special K),
- Mephedron (M-CAT, Meow Meow, Bubbles, Subcoca).
Chemsex kann mit Gruppensex und längeren Sessions verbunden sein. Nicht alle erleben es problematisch, aber es gibt gesundheitliche und psychosoziale Risiken (Infektionen, Abhängigkeit, psychische Belastungen).
Sexualisierter Drogenkonsum außerhalb der MSM-Community
Auch außerhalb der MSM-Community gibt es sexualisierten Drogenkonsum. Die Gründe und Kontexte unterscheiden sich von Chemsex, dennoch gibt es ähnliche Risiken. Über die allgemeinen Wirkweisen und Risiken verschiedener Drogen kannst du dich hier informieren.
Verhaltensempfehlungen
Informiere dich über Risiken und Nebenwirkungen, z.B. auf dieser Seite oder einer der verlinkten weiter unten.
Plane Sessions (Dauer, Häufigkeit, Pausen).
Achte auf Impfungen (Hepatitis A/B, Meningokokken C).
Lass dich regelmäßig auf STIs testen.
Nutze Safer-Sex-Strategien (PrEP, Kondome).
Teile keine Utensilien.
Plane Dosierungen und Pausen im Voraus.
Stelle sicher, dass alle Beteiligten zustimmungsfähig sind.
Formuliere und respektiere Grenzen. Wie das geht erfährst du hier.
Weiter Informationen & Beratungsangebote
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Sidekicks
Risiken beim Sex unter Drogeneinfluss
Verletzungen durch verminderte Schmerzwahrnehmung
Höheres Risiko für STI-Übertragung durch unsicheren Sex
Überschreiten von Grenzen, im Extremfall sexualisierte Gewalt
Wechselwirkungen mit Medikamenten (z. B. PrEP, ART)
Gefährlicher Mischkonsum
Risiko von Abhängigkeit
Nachwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Scham, Reue
Gefahr, dass Sex ohne Drogen weniger Freude macht
Chemsex ist in Studien mit einer erhöhten psychischen Belastung assoziiert, insbesondere mit depressiven Symptomen und Angst. Betroffene berichten zudem häufiger von Panikattacken, paranoiden Episoden sowie von nicht-konsensuellen sexuellen Erfahrungen, was das Risiko für Traumafolgen und Suizidgedanken erhöhen kann.
Wiederholter Chemsex kann darüber hinaus zu Abhängigkeit, ausgeprägten Stimmungseinbrüchen nach den Sessions und Schwierigkeiten führen, Sexualität ohne Substanzen als befriedigend zu erleben, was sich negativ auf Selbstwert, Beziehungen und soziale Teilhabe auswirken kann.