Beziehungsweisen, sexuelle & romantische Orientierungen

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Menschen leben und erleben Beziehungen sehr unterschiedlich. Manche führen eine Partnerschaft mit einer Person, andere lieben mehrere Menschen gleichzeitig. Für einige steht Sexualität im Zentrum, für andere spielt sie eine geringere oder gar keine Rolle. Auch romantische Gefühle können ganz verschieden erlebt werden. Romantische und sexuelle Orientierungen sind dabei vom Geschlecht oder Gender einer Person unabhängig und können in allen möglichen Kombinationen auftreten und gelebt werden.

Diese Vielfalt ist normal und wichtig. Begriffe für unterschiedliche Beziehungsweisen und Orientierungen helfen, sich selbst und andere besser zu verstehen und sie zeigen, dass es nicht nur einen „richtigen“ Weg gibt, Beziehungen und Sexualität zu leben. 

Ein wichtiger Hinweis:


Sexuelle und romantische Orientierungen sind sehr vielfältig und wandelbar. In unserer Übersicht fokussieren wir uns auf die gängigsten Bezeichnungen. Deutlich umfangreichere Übersichten gibt es als Ergänzung dazu im Glossar des Queer-Lexikon.

Grundbegriffe

Beziehungsformen

Beziehungen können auf ganz unterschiedliche Weise gestaltet werden. Menschen haben verschiedene Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen davon, wie Nähe, Verbindlichkeit und Intimität aussehen. Die folgenden Begriffe beschreiben einige Formen, wie Menschen ihre Beziehungen leben können.

Beziehungsform


Monogamie

Definition


Exklusive Partnerschaft mit einer Person, sowohl sexuell als auch emotional. Diese kann langfristig oder kurzfristig sein.

Beziehungsform


Polyamorie

Definition


Mehrere einvernehmliche, oft auch romantische Liebes- oder Sexualbeziehungen gleichzeitig. Manchmal gibt es dabei zwischen den einzelnen Beziehungen unterschiedliche Prioritäten und zum Beispiel eine Haupt-Partnerschaft.

Beziehungsform


Single-sein

Definition


Ohne feste Partnerschaft leben, freiwillig oder unfreiwillig, dauerhaft oder vorübergehend.

Beziehungsform


Situationship

Definition


Eine lockere, eher unverbindliche Beziehung, die sich irgendwo zwischen Freundschaft Plus und einer festen Beziehung befindet.

Beziehungsform


Offene Beziehung

Definition


Feste Partnerschaft mit einer Person aber die Möglichkeit, zusätzliche (meist sexuelle) Kontakte mit anderen Personen zu haben. Die Regeln, wie diese anderen Kontakte gestaltet werden, können ganz unterschiedlich sein und werden innerhalb der Partnerschaft ausgehandelt.

Beziehungsform


Beziehungsanarchie

Definition


Keine festen Regeln oder Hierarchien zwischen Beziehungen, jede Verbindung wird individuell gestaltet.

Beziehungsform


Freundschaft Plus

Wahrheit


eine freundschaftliche Verbindung in Kombination mit sexueller Intimität, ohne mögliche Verpflichtungen, die mit einer Paarbeziehung einhergehen können.

Beziehungsform


Casual Dating

Definition


Personen, die in der Regel single sind, treffen sich für eine gemeinsame Zeit oder auch sexuelle Intimität, ohne mögliche Verpflichtungen, die mit einer Paarbeziehung oder anderen Beziehungsformen einhergehen können.

Aufgrund dieser verschiedenen Beziehungsformen kann es auch ganz verschiedene Bedeutungen haben, was Treue und Fremdgehen bedeuten. Mehr dazu in diesem Video:

Nicht-Monogamie

Nicht-Monogamie


Lange galten monogame Beziehungen, also exklusiv mit einer Person, als die Norm, mittlerweile sind auch alternative Beziehungsformen wie Polyamorie immer verbreiteter. Bröning, S., Korinth, R., & Mazziotta, A. (2025). Was wissen wir über Polyamorie als Beziehungsmodell? Forschungsüberblick und Schlussfolgerungen für Beratungskontexte. Beratung Aktuell, 26(1), 15–33. doi.org

Zeit zur Reflektion

Eigene Präferenzen reflektieren

Welche Werte möchte ich in Beziehungen leben?

Wie wichtig ist mir emotionale und/oder sexuelle Exklusivität?

Kann ich mir vorstellen, dass Liebe oder Zuneigung zu mehreren Menschen gleichzeitig möglich ist?

Welche Annahmen über „richtige“ Beziehungen habe ich bisher nie hinterfragt?

Ethische Nicht-Monogamie (ENM)

Beziehungen mit mehreren Personen

Warum gilt Monogamie nicht mehr als einziges Beziehungsmodell? Bröning, S., Korinth, R., & Mazziotta, A. (2025). Was wissen wir über Polyamorie als Beziehungsmodell? Forschungsüberblick und Schlussfolgerungen für Beratungskontexte. Beratung Aktuell, 26(1), 15–33. doi.org

Lange schränkten unter anderem kirchliche Werte und die fehlenden Möglichkeiten von Trennungen und Scheidungen Menschen ein und gaben starre Regeln vor. Auch für das Leben von Beziehungen.

Kirche und Staat sind zunehmend voneinander getrennt und unsere Gesellschaft wird insgesamt vielfältiger. 

Auch Selbstverwirklichung ist ein immer größer werdendes Thema und stellt in manchen Fällen traditionelle Beziehungsmodelle in Frage.

Auch in den Medien sind alternative Beziehungsmodelle mittlerweile sichtbarer und werden öffentlich dargestellt und diskutiert. Unter anderem durch soziale Medien und die Nutzung von Dating Apps werden auch Begriffe und Konzepte wie Situationships normalisiert.

Ethisch-nicht-monogame (ENM)-Beziehungen können dazu beitragen, Werte außerhalb traditioneller Geschlechterrollen zu leben, Augenhöhe und Gleichberechtigung zu bieten oder auch Fürsorge innerhalb größerer Gemeinschaften zu ermöglichen. 

Gleichzeitig gibt es auch potenzielle Risiken Bröning, S., Korinth, R., & Mazziotta, A. (2025). Was wissen wir über Polyamorie als Beziehungsmodell? Forschungsüberblick und Schlussfolgerungen für Beratungskontexte. Beratung Aktuell, 26(1), 15–33. doi.org

  • Gesellschaftliche Stigmatisierung
  • Emotionale Verletzung innerhalb der Beziehung
  • Unfreiwillige Nicht-Monogamie
  • Zerbrechlichkeit der Beziehung aufgrund begrenzter struktureller, finanzieller oder zeitlicher Ressourcen, die auf mehr als nur zwei Personen aufgeteilt werden

Auch wenn Polyamorie mit dem Grundsatz „Liebe wird nicht kleiner, wenn man sie teilt“ ein für viele erstrebenswertes Bild darstellt, ist die Umsetzung alternative Beziehungsmodelle also auch durch Herausforderungen geprägt.

Aber warum führen Menschen nicht-monogame Beziehungen? Studien zeigen, dass die Gründe vor allem folgende sind:

  • Persönliches Wachstum und Autonomie
  • Erfüllung von Bedürfnissen, die in einer monogamen Beziehung nicht erfüllt werden
  • Ausdruck politischer Werte
  • Wunsch nach sexueller Vielfalt
  • Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft
  • Erfahrung von Minderheitsidentitäten wie sexueller Fluidität und Bisexualität

Die Studienlage zeigt außerdem, dass etwa 4-5% der Menschen bereits eine nicht-monogame Beziehung geführt haben und etwa 17% einem alternativen Beziehungsmodell gegenüber grundsätzlich offen wären. 

Die Qualität der Beziehungen scheint sich zwischen monogamen und nicht-monogamen Beziehungen nicht wesentlich zu unterscheiden. Nicht-monogame Studienteilnehmende wiesen allerdings eine höhere sexuelle Zufriedenheit auf, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass über Sexualität und Bedürfnisse in nicht-monogamen Beziehungen zwangsläufig mehr gesprochen wird und dadurch Erwartungen und Bedürfnisse offener kommuniziert und ausgehandelt werden. Bröning, S., Korinth, R., & Mazziotta, A. (2025). Was wissen wir über Polyamorie als Beziehungsmodell? Forschungsüberblick und Schlussfolgerungen für Beratungskontexte. Beratung Aktuell, 26(1), 15–33. doi.org

Gerade bei wechselnden Partner*innen in nicht-monogamen Beziehungsformen kann es umso wichtiger sein, sich vor STI zu schützen. Mehr dazu erfährst du in diesem Video:

Es ist fast unmöglich, alle Formen von Beziehungen abzudecken. Eine ausführlichere Übersicht über verschiedene Beziehungsmodelle und Grauzonen bietet die „Karte der Nicht-Monogamie“:

 

Grundbegriffe

Sexuelle Orientierungen

Sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch sexuell hingezogen fühlt oder auch nicht. Dabei geht es nicht um Rollen oder Praktiken, sondern um Anziehung und Begehren. Es gibt viele verschiedene Formen sexueller Orientierung, die gleichwertig nebeneinanderstehen.

Sexuelle Orientierung


Heterosexualität

Definition


Sexuelle Anziehung zu Menschen eines anderen Geschlechts.

Sexuelle Orientierung


Bisexualität

Definition


Anziehung zu Menschen mehr als eines Geschlechts.

Sexuelle Orientierung


Pansexualität

Definition


Anziehung zu Menschen unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität

Sexuelle Orientierung


Homosexualität

Definition


sexuelle Anziehung zu Menschen des gleichen Geschlechts.

Sexuelle Orientierung


Asexualität

Definition


Wenig bis keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen; bedeutet nicht automatisch, dass keine Beziehungen gewünscht sind.

Für viele nicht-heterosexuelle Menschen kann es ein Schritt sein, ein Coming Out zu haben. Was das bedeutet und mehr Infos dazu erfährst du in diesem Video: 

Grundbegriffe

Romantische Orientierungen

Romantische Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch emotional oder romantisch hingezogen fühlt. Diese Orientierung kann, muss aber nicht, mit der sexuellen Orientierung übereinstimmen. Auch romantische Anziehung kann sehr unterschiedlich erlebt werden und alle Formen sind gültig.

Romantische Orientierung


Heteroromantik

Definition


Romantische Gefühle für Menschen des jeweils anderen cis-Geschlechts

Romantische Orientierung


Panromantik

Definition


Romantische Gefühle unabhängig vom Geschlecht der anderen Person.

Romantische Orientierung


Homoromantik

Definition


Romantische Gefühle für Menschen des gleichen Geschlechts

Romantische Orientierung


Aromantik

Definition


wenig bis keine romantische Anziehung. Aromantische Personen können trotzdem Freundschaften, Sexualität oder andere enge Bindungen erleben.

Januar, 2026

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Quellen

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