Verhütungsmethoden
Hinweis: Im Text wird von „Menschen mit Gebärmutter“ und „Menschen mit Penis“ gesprochen. Nicht alle Personen fühlen sich von diesen Begriffen angesprochen. Da Verhütung jedoch von den Geschlechtsorganen und nicht von der Geschlechtsidentität abhängig ist, versuchen wir so, den Text so inklusiv wie möglich zu gestalten.
Schwangerschaftsverhütung
Es gibt viele Wege, eine Schwangerschaft zu verhindern und keine Methode passt für alle gleich gut.
Viele Menschen mit Gebärmutter können zu bestimmten Zeiten im Zyklus schwanger werden. Um das zu verhindern, gibt es eine ganze Palette an Möglichkeiten, von hormonell bis nicht-hormonell. Welche Methode passt, ist sehr individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Ärzt*innen und Beratungsstellen können dabei unterstützen. Kostenlose Beratung gibt es zum Beispiel bei profamilia.
Damit sich die Sicherheit der einzelnen Methoden vergleichen lässt, gibt es den Pearl-Index. Er zeigt, wie viele Schwangerschaften pro 100 Menschen mit Gebärmutter innerhalb eines Jahres trotz Verhütung entstehen. Je niedriger der Wert, desto sicherer die Methode.
Wichtig zu wissen: Hersteller geben häufig den Wert bei perfekter Anwendung an. In der Realität können Anwendungsfehler – etwa ein Kondom in falscher Größe – die Wirksamkeit verringern. Expert*innen nennen deshalb mittlerweile auch realistischere Werte, die solche Fehler berücksichtigen (Typischer Wert).
Manche kombinieren Methoden für mehr Sicherheit, zum Beispiel die Pille mit dem Kondom. Ab dem 22. Geburtstag müssen die Kosten für Verhütungsmittel in der Regel selbst getragen werden. Einige Stellen wie profamilia oder das Walk In Ruhr stellen Kondome kostenlos zur Verfügung.
Zeit zur Reflektion
Für Menschen mit Gebärmutter
Welche Verhütungsmethoden hast du bisher ausprobiert?
Weißt du, wie deine Freund*innen verhüten?
Trägst du oder deine Krankenkasse die Kosten für die Verhütung oder teilst du sie mit deinem*r Partner*in?
Zeit zur Reflektion
Für Menschen mit Penis
Weißt du, wie teuer Verhütungsmittel sind?
Kennst du Nebenwirkungen der Pille?
Weißt du, wie Freund*innen von dir verhüten?
Wie verhütest du?
Hormonelle Verhütungsmethoden
Hormonelle Verhütungsmittel stehen bisher ausschließlich Menschen mit Gebärmutter zur Verfügung. Enthalten sind entweder eine Kombi aus Östrogen und Gestagen oder nur Gestagen. Je nach Präparat wirken sie unterschiedlich. Sie verhindern den Eisprung. Gestagen-Pillen wirken sich besonders auf Gebärmutterschleimhaut und Zervix aus.
Pro
- sehr zuverlässiger Schutz
- können Menstruationsschmerzen und starke Blutungen lindern
- senken das Risiko für Eierstock-, Gebärmutter- und Dickdarmkrebs
- können die Libido steigern
- Kombipille kann Akne mindern
AWMF. (2019). S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung. 4.2, 190. Registernummer 015 - 015.
Contra
- erhöhtes Risiko für Beinvenenthrombosen, Gebärmutterhalskrebs und Depressionen (insbesondere bei jungen Anwender*innen)
Johansson, T., Larsen, S. V., Bui, M., Ek, W. E., Karlsson, T., & Johansson, Å. (2023). Population-based cohort study of oral contraceptive use and risk of depression. Epidemiology and Psychiatric Sciences, 32, e39. doi.org - können Libido dämpfen
- über 40 % berichten von Stimmungsschwankungen
- mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Spannungsgefühl in den Brüsten
AWMF. (2019). S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung. 4.2, 190. Registernummer 015 - 015.
Anwendung und Verschreibung
Alle hormonellen Methoden sind verschreibungspflichtig. Bis zum 22. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür. Spiralen und Stäbchen werden direkt von Ärzt*innen eingesetzt. Da jedes Präparat Vor- und Nachteile hat, lohnt sich eine persönliche Beratung, um die passende Methode zu finden.
Überblick über hormonelle Verhütungsmittel
(Kombi-) Pille
Informationen
Anwendung: 21 Tage täglich zur gleichen Zeit, dann 7 Tage Pause (Periode) oder durchgehend um die Periode zu vermeiden
Kosten: ca. 20 € / Monat
Pearl-Index: 0,3
Typische Anwendung: 3–9
Sonstiges: Wirksamkeit sinkt bei Erbrechen oder Durchfall
Verhütungsstäbchen
Informationen
Anwendung: Kleines Stäbchen, im Oberarm eingesetzt, wirkt 3 Jahre
Kosten: 300–450 € (einmalig) + ca. 40 € Entfernung = 9,50–14 € / Monat
Pearl-Index: 0,1
Typische Anwendung: 0,1
Sonstiges: Periode bleibt oft ganz aus, Schmierblutungen besonders direkt nach dem Einsetzen
Dreimonatsspritze
Informationen
Anwendung: Injektion alle 3 Monate bei Ärzt*innen
Kosten: 30–45 € pro Spritze = 10–15 € / Monat
Pearl-Index: 0,2
Typische Anwendung: 4
Sonstiges: Blutungen oft unregelmäßig oder bleiben aus, Nebenwirkungen häufiger, nicht zu empfehlen bei Kinderwunsch
(Mini-) Pille
Informationen
Anwendung: Täglich zur gleichen Zeit, ohne Pause
Kosten: ca. 7–25 € / Monat
Pearl-Index: 0,3
Typische Anwendung: 3–9
Sonstiges: Wirksamkeit sinkt bei Erbrechen oder Durchfall
Verhütungsring
Informationen
Anwendung: Biegsamer Ring, drei Wochen in der Vagina, danach Pause möglich
Kosten: ca. 12 € / Monat
Pearl-Index: 0,3
Typische Anwendung: 3–9
Sonstiges: Kann kurz herausgenommen werden, z. B. beim Sex
Hormonspirale
Informationen
Anwendung: Spirale wird in die Gebärmutter eingesetzt, wirkt 3–8 Jahre
Kosten: ca. 400 € + 20–40 € / Jahr für Kontrollen = 14,50 € / Monat (3 Jahre) bis 7,50 € / Monat (8 Jahre)
Pearl-Index: 0,1
Typische Anwendung: 0,2
Sonstiges: Blutungen oft unregelmäßig oder bleiben ganz aus
Verhütungspflaster
Informationen
Anwendung: Pflaster auf der Haut, drei Wochen, danach Pause möglich
Kosten: ca. 13 € / Monat
Pearl-Index: 0,3
Typische Anwendung: 3–9
Sonstiges: Hält beim Schwimmen, Sport oder in der Sauna, ist nicht mehr gängig
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Nicht-hormonelle Verhütungsmethoden
Nicht-hormonelle Methoden setzen auf Barrieren, Kupfer oder operative Eingriffe. Mit Ausnahme des Kondoms richten sich in erster Linie an Menschen mit Gebärmutter. Das Kondom (und die Sterilisation beim Mann) sind die einzigen Methoden, die Verantwortung nicht allein auf Menschen mit Gebärmutter legen.
Barriere-Methoden
Kondom
Informationen
Anwendung: dünne Hülle aus Kunststoff oder Latex, über den Penis gezogen, fängt Spermien auf
Kosten: ab ca. 0,20 € / Stück
Pearl-Index: 2
Typische Anwendung: 13
Sonstiges: auch latexfrei erhältlich, einziger Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen
Femidom
Informationen
Anwendung: Kunststoffhülle, die in die Vagina eingeführt wird, fängt Spermien auf
Kosten: ab ca. 2,30 € / Stück
Pearl-Index: 5
Typische Anwendung: 21
Sonstiges: schützt ebenfalls vor STIs
Diaphragma
Informationen
Anwendung: flexible Silikonplatte, individuell angepasst; vor Sex in die Vagina eingeführt, zusammen mit Spermizid-Gel; muss nach dem Sex mind. 6 Stunden in der Vagina bleiben; wiederverwendbar
Kosten: ca. 40–60 € + ca. 10 € / Gel
Pearl-Index: 4–14
Typische Anwendung: 12–18
Kupfer Methoden
Es gibt Verhütungsmittel, die mit Kuper arbeiten.
Kupferspiralen, -ketten und -bälle werden von Ärzt*innen eingesetzt. Sie geben geringe Mengen Kupfer ab, wodurch
- Spermien unbeweglicher werden,
- der Gebärmutterschleim Spermien schlechter passieren lässt,
- eine Einnistung der Eizelle verhindert wird.
Der Zyklus bleibt erhalten, Perioden können aber stärker oder schmerzhafter werden
Kupferspirale
Informationen
Anwendung: T-förmiger Kunststoffkörper, mit Kupferdraht umwickelt; wirkt 3–10 Jahre
Kosten: 120–300 € + 20–40 € jährlich für Kontrollen = ca. 4,50–12 € / Monat
Pearl-Index: 0,6
Typische Anwendung: 0,8
Kupferkette
Informationen
Anwendung: kleine Kupferröhrchen an einem Faden, in der Gebärmutterwand verankert; wirkt bis 10 Jahre
Kosten: 250–300 € + 20–40 € jährlich = ca. 5,50–6 € / Monat
Pearl-Index: 0,6
Typische Anwendung: 0,8
Kupferball
Informationen
Anwendung: Faden, der sich in der Gebärmutter zu einem Ball formt; wirkt bis 5 Jahre
Kosten: 300–500 € + 20–40 € jährlich = ca. 8,50–12 € / Monat
Pearl-Index: unklar
Typische Anwendung: unklar
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Coitus Interruptus ("Rückzieher")
Der berühmte „Rückzieher“ klingt praktisch, ist aber keine Verhütungsmethode. Schon im Lusttropfen können Spermien enthalten sein und die können den Weg zur Eizelle finden.
Sterilisation
Eine dauerhafte Lösung für alle, die keine Kinder (mehr) bekommen oder zeugen möchten.
Sterilisation bei Menschen mit Penis
Informationen
Anwendung: Samenleiter werden durchtrennt; ambulanter Eingriff, ca. 30 Minuten
Kosten: 400–750 € einmalig
Pearl-Index: 0,1
Typische Anwendung: 0,1
Sonstiges: keine Auswirkung auf Erektion oder Empfinden; Refertilisierung in 90 % der Fälle bei erfahrenen Operateur*innen möglich; manche berichten sogar über positive Effekte auf das Sexleben
Sterilisation bei Menschen mit Gebärmutter
Informationen
Anwendung: Eileiter werden verschlossen (Tubensterilisation), ca. 15–30 Minuten unter Vollnarkose; ambulant
Kosten: 600–1000 € einmalig
Pearl-Index: 0,5
Typische Anwendung: 0,5
Sonstiges: Eierstöcke bleiben erhalten, Zyklus läuft weiter; Refertilisierung in 42–69 % der Fälle möglich; künstliche Befruchtung ist trotzdem möglich.
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Infos: Sterilisation bei Menschen mit Penis
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Infos: Sterilisation bei Menschen mit Gebärmutter
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Anlaufstelle: Sterilisation für Menschen mit Gebärmutter
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Anlaufstelle: Sterilisation für Menschen mit Gebärmutter
Natürliche Familienplanung
Bei der natürlichen Familienplanung geht es darum, den eigenen Zyklus genau zu beobachten. Die sicherste Variante ist die symptomthermale Methode:
- Zervixschleim beobachten: im Laufe des Zyklus verändert er sich und zeigt an, wann der Eisprung bevorsteht.
- Körpertemperatur messen: jeden Morgen zur gleichen Zeit; nach dem Eisprung steigt sie um ca. 0,5 Grad an.
Die Kombination macht die Methode zuverlässiger. Viele nutzen dafür auch Zyklus-Apps, um die Daten festzuhalten.
Natürliche Familienplanung
Informationen
Pearl-Index: 0,4
Typische Anwendung: 2
Vorteil: keine Nebenwirkungen, besseres Körperbewusstsein
Nachteil: an fruchtbaren Tagen braucht es zusätzlich eine andere Methode, z. B. Kondome
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Notfallverhütung
Wenn Verhütung nicht geklappt hat (z. B. Kondom gerissen, Pille vergessen), gibt es zwei Möglichkeiten
Pille danach
Informationen
Anwendung: so schnell wie möglich, am besten innerhalb von 12 Stunden; rezeptfrei in Apotheken erhältlich
Kosten: 15–30 €
Wirkung: enthält Hormone, die den Eisprung verschieben, damit Spermien die Eizelle nicht mehr erreichen
Spirale danach
Informationen
Anwendung: kann bis zu 5 Tage nach ungeschütztem Sex eingesetzt werden
Kosten: 120–300 € + 20–40 € jährlich für Kontrollen
Wirkung: verhindert die Einnistung einer Eizelle und dient anschließend auch als langfristiges Verhütungsmittel
Verhütung - auch Männer*sache
Für Menschen mit Penis gibt es bislang nur zwei Optionen: Kondom oder Vasektomie. Das legt die Verantwortung oft auf Menschen mit Gebärmutter. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr Gleichberechtigung - von beiden Seiten.
Die Forschung arbeitet deshalb an neuen Ansätzen:
Eine „Pille für den Mann“, die in Studien bei Mäusen und Primaten bereits wirksam getestet wurde
Ultraschallbäder für die Hoden, die die Spermienproduktion vorübergehend hemmen könnten
Noch gibt es diese Methoden nicht im Alltag, aber die Entwicklung läuft und könnte in Zukunft die Verantwortung gerechter verteilen.
Verhütung bei trans* und nicht-binären Menschen
Auch trans* und nicht-binäre Personen brauchen Verhütung, unabhängig von einer Hormontherapie.
Menschen mit Penis können trotz Östrogentherapie Spermien produzieren.
Menschen mit Gebärmutter können unter Testosterontherapie weiter Eisprünge haben.
Das heißt: Nicht-hormonelle Methoden wie Kondome, Spiralen oder Diaphragmen funktionieren wie gewohnt. Auch hormonelle Methoden können genutzt werden – welche passen, hängt von den Organen ab, nicht von der Geschlechtsidentität. Ärztliche Beratung ist hier besonders wichtig
Für trans* Männer und nicht-binäre Menschen mit Gebärmutter kann hormonelle Verhütung zusätzlich hilfreich sein, um die Periode zu stoppen oder regelmäßiger zu machen.
Wichtig: Hormonelle Verhütung ersetzt keine Hormontherapie für trans* Frauen. Das verwendete Östrogen unterscheidet sich in Form und Dosierung.