Infertitität
Ungewollte Kinderlosigkeit
Infertilität bedeutet, dass eine Schwangerschaft nach 12 Monaten oder mehr mit regelmäßigem, ungeschütztem Sex ausbleibt
Es sind ca. 8 – 12% der Paare im reproduktiven Alter betroffen. Häufig wird die Ursache bei Personen mit Gebärmutter gesucht, aber Menschen mit Penis sind auch für 50% der Unfruchtbarkeitsfälle der Grund
Ursachen
Menschen mit Gebärmutter
Bei Menschen mit Gebärmutter können Zyklus- oder Hormonstörungen oder Probleme/Erkrankungen der Geschlechtsorgane Ursache sein
Menschen mit Penis
Bei Menschen mit Penis können Störungen in der Bildung oder Qualität von Spermien, Hormonstörungen oder genetische Ursachen vorliegen
Auch sexuell übertragbare Infektionen, Medikamente, chronische Erkrankungen und der Lebensstil haben einen Einfluss: Rauchen, Alkohol, Übergewicht und zu wenig Bewegung können zu einer schlechteren Fruchtbarkeit beitragen
Diagnostik
Die Diagnostik von Infertilität ist ein klar strukturierter, meist innerhalb weniger Zyklen abschließbarer Plan bei beiden Partner*innen. Nach Ursachen zu suchen kann belastend sein und Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Wichtig ist, dass jede Person das Recht auf Aufklärung, Beratung und Mitentscheidung hat.
Nach 12 Monaten erfolgloser Schwangerschaftsversuche startet die Diagnostik. Dazu gehört:
- Eine ausführliche Anamnese
- Eine gynäkologische und andrologische (Gesundheit von Menschen mit Penis) Untersuchung
- Untersuchung der „weiblichen“ Geschlechtsorgane und der Spermien
Sind diese Untersuchungen unauffällig, spricht man von einer „unerklärten Infertilität“.
Behandlung
In einigen Fällen beinhaltet die Behandlung zunächst die Umstellung von Lebensumständen, beispielsweise mit dem Rauchen aufzuhören oder Gewicht zu verlieren. Es gibt anschließend auch andere Behandlungsmöglichkeiten, beispielsweise mit Hormonen oder assistierter Reproduktion. Bei anatomischen Gründen kann auch eine Operation infrage kommen.
Die Behandlungen können emotional belastend sein und die Erfolgschancen sind individuell. In einigen Fällen ist eine Schwangerschaft trotz Behandlung nicht möglich. Auch hier hilft es, sich Beratung und Unterstützung von den Partner*innen oder Expert*innen zu holen.
Psychische Belastung
Wichtig: Ungewollte Kinderlosigkeit ist keine persönliche Schwäche
Infertilität ist psychisch stark belastend und geht häufig mit Depression, Angst, Stress, Schuldgefühlen sowie Partnerschafts‑ und sozialen Problemen einher
Sexualität
Sexualität kann mit Leistungsdruck verbunden werden und so Nähe und Intimität verändern. Einige Paare erleben dadurch Druck und Konflikte, andere empfinden eine stärkere emotionale Nähe. Man kann sich als Paar beraten lassen, um Sexualität lustvoll leben zu können.
Stigmatisierung
Infertilität ist stark stigmatisiert, besonders für Frauen, und betrifft sowohl Selbstbild als auch soziale Stellung
- Unterstützung und Beratung gibt es beispielsweise bei der profamilia
profamilia 
- Unterstützung und Beratung gibt es beispielsweise bei der profamilia
Mögliche Alternativen
Bei Infertilität gibt es verschiedene Alternativen und Lebenswege, die je nach persönlicher Situation, Wünschen und Möglichkeiten in Betracht kommen können. Wichtig ist: Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, sondern individuelle Entscheidungen.
Medizinische und reproduktive Alternativen
- Weitere oder andere Formen der Kinderwunschbehandlung (z. B. Wechsel der Methode)
- Nutzung von Samenspende oder Eizellspende (je nach rechtlichem Rahmen)
- Embryonenspende (länderabhängig)
- Entscheidung für oder gegen weitere medizinische Behandlungen
Soziale Elternschaft
- Adoption
- Pflegeelternschaft (zeitlich begrenzt oder dauerhaft)
- Co-Parenting-Modelle (gemeinsame Elternschaft ohne Paarbeziehung)
Leben ohne eigene Kinder
- Aufbau anderer erfüllender Lebensbereiche (Partnerschaft, Freundschaften, Beruf, Engagement)
- Akzeptanz als aktiver Prozess, oft mit Trauerarbeit verbunden
Nähe zu Kindern ohne Elternschaft
- Enge Beziehungen zu Nichten/Neffen, Patenkindern
- Ehrenamtliche Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen
- Mentoring-Programme
Psychosoziale Unterstützung
- Paar- oder Einzelberatung zur Entscheidungsfindung
- Austausch in Selbsthilfegruppen
- Begleitung beim Abschied vom ursprünglichen Kinderwunsch
Wichtig zu betonen: Alternativen sind keine „Ersatzlösungen“, sondern eigenständige, wertvolle Lebenswege.
Entscheidungen dürfen sich über die Zeit verändern.
Trauer, Zweifel und ambivalente Gefühle sind normal und legitim.