HIV & AIDS

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Wenn es um HIV geht, gibt es immer noch viele Missverständnisse. Hier erfährst du, was der Unterschied zwischen HIV und AIDS ist, wie man sich schützt, welche Behandlungen es gibt und warum ein Leben mit HIV heute ganz anders aussieht als noch vor einigen Jahren.

HIV ist nicht gleich AIDS

HIV Humanes Immundefizienz-Virus ist das Virus selbst und bezeichnet die Infektion damit
AIDS Acquired Immune Deficiency Syndrome/ erworbenes Immunschwächesyndrom ist das Spätstadium einer unbehandelten HIV-Infektion

Ohne Therapie kann sich nach 5–10 Jahren AIDS entwickeln, verbunden mit schweren Erkrankungen wie bestimmten Lungenentzündungen oder Krebs. Mit Behandlung passiert das heute kaum noch.

HIV kurz & knapp

  • HIV greift das Immunsystem an.
  • Eine Infektion bleibt oft lange unbemerkt. Erste Symptome ähneln manchmal einer Grippe.
  • Ohne Behandlung schwächt HIV das Abwehrsystem so stark, dass der Körper Krankheitserreger und fehlerhafte Zellen nicht mehr bekämpfen kann

Die gute Nachricht:

  • HIV ist zwar nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar.
  • Mit rechtzeitiger Therapie können Menschen mit HIV ein ganz normales Leben führen.
  • Unter wirksamer Behandlung sind HIV-positive Personen nicht mehr ansteckend.
  • Tests sind entscheidend für eine frühe Diagnose und den rechtzeitigen Start der Therapie.

HIV in Deutschland - Zahlen

96.700 HIV-Infizierte in Deutschland
  • ca. 96.700 Menschen leben mit HIV
  • 99% aller diagnostizierten Patient*innen nehmen HIV-Medikamente
  • rund 2.200 Neuinfektionen gab es 2023

Robert Koch-Institut. (2023). HIV/AIDS in Deutschland – Eckdaten der Schätzung (p. 3). https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/H/HIV-AIDS/Eckdaten/Eckdaten.html

Symptome - oder auch nicht

Fieber

Müdigkeit

Halsschmerzen

Hautausschlag

Diese Beschwerden verschwinden meist wieder. Die Infektion bleibt jedoch bestehen. Ohne Behandlung kann es Jahre später zu schweren Erkrankungen kommen.

Übertragungswege

HIV wird über bestimmte Körperflüssigkeiten weitergegeben:

Blut

Sperma

Vaginalflüssigkeit

Muttermilch

Hauptübertragungswege

Vaginal- oder Analverkehr ohne Schutz

gemeinsame Nutzung von Spritzen

Übertragung während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit

Keine Risiken bei

Händeschütteln

Küssen

Toiletten, Türklinken

Insektenstichen

HIV wird nicht durch Hautkontakt, Speichel oder Mücken weitergegeben und überlebt außerhalb des Körpers nicht lange.

HIV-Test - wann und wie?

Wann?

Sinnvolle Anlässe für einen Test:

  • ungeschützter Sex
  • geplatztes Kondom
  • Schwangerschaft
  • eine andere sexuell übertragbare Infektion
  • gemeinsame Nutzung von Spritzen

     

Wie?

  • Labortest: Blut aus der Armvene, 6 Wochen nach Risiko, Ergebnis nach 2–4 Tagen
  • Schnelltest: Blut aus dem Finger, 12 Wochen nach Risiko, Ergebnis nach ca. 20 Minuten

Sofortmaßnahmen nach HIV-Risiko

Penis mit Wasser und Seife reinigen

Haut mit Wasser und Seife reinigen, ggf. desinfizieren

Ejakulat im Mund: ausspucken, danach mit Wasser oder hochprozentigem Alkohol spülen

Nicht empfohlen: Spülungen von Vagina oder Darm (Gefahr von Schleimhautverletzungen)

Danach: PEP (Post-Expositions-Prophylaxe) eine Notfallbehandlung, die eine Infektion in den meisten Fällen verhindern kann. Sie muss so schnell wie möglich begonnen werden (am besten innerhalb von 2 Stunden, spätestens nach 48).

Schutzmaßnahmen im Alltag

Zeit zur Reflektion

Schützt du dich?

Hast du dir im Alltag schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob du dich mit HIV anstecken könntest?

Hast du dir beim Sex schonmal Gedanken dazu gemacht?

Weißt du von allen deinen Sexualpartner*innen, ob sie auf HIV getestet sind?

Kondome

schützen zuverlässig bei allen Formen des Geschlechtsverkehrs

Regelmäßige Tests

besonders bei wechselnden Partner*innen

Sauberer Umgang mit Spritzen

niemals gemeinsam benutzen

Zusätzlich gibt es zwei medikamentöse Möglichkeiten:

PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe)

HIV-Medikamente werden vorbeugend eingenommen. Für Menschen mit regelmäßigem HIV-Risiko. Verschreibungspflichtig, ca. 50 €/Monat (nicht immer Kassenleistung). Ärztliche Begleitung nötig.

PEP (Post-Expositions-Prophylaxe)

HIV-Medikamente nach einem Risikokontakt (innerhalb von 2–48 Std.). Dauer: 30 Tage. Kostenübernahme durch Krankenkassen. Für Notfälle, z. B. nach ungeschütztem Sex.

Behandlung

HIV

Die antiretrovirale Therapie (ART) ist heute Standard. Sie verhindert die Vermehrung des Virus und schützt so das Immunsystem.

  • Die Viruslast sinkt auf ein nicht nachweisbares Niveau.
  • HIV ist dann nicht mehr übertragbar.
  • Lebenserwartung = wie bei Menschen ohne HIV.
  • Medikamente sind heute gut verträglich, meist nur eine Tablette pro Tag oder eine Spritze alle 8 Wochen.

Auch wenn die Therapie lebenslang nötig ist: Menschen mit HIV können heute aktiv, gesund und selbstbestimmt leben.

AIDS

Wenn HIV unbehandelt bleibt, kann es zum AIDS-Stadium kommen. Das Immunsystem ist dann stark geschwächt.

  • Sofortige ART 
  • Behandlung der auftretenden Krankheiten
  • Auch im fortgeschrittenen Stadium kann sich der Gesundheitszustand deutlich verbessern

Wichtig: Je früher die Diagnose, desto besser die Prognose.

HIV & Krebs

Da HIV das Immunsystem schwächt, haben Betroffene ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher besonders wichtig. Mit frühzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie kann das Risiko deutlich reduziert werden.

HIV & Schwangerschaft

Eine HIV-Diagnose bedeutet nicht, dass Kinderwunsch ausgeschlossen ist. Mit der heutigen Medizin sind Schwangerschaft und Geburt für Menschen mit HIV und ihre Kinder gut möglich    Deutsche Aids-Gesellschaft e.V., & Österreichische AIDS Gesellschaft. (2020). Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. AWMF online, 35. AWMF-Register-Nr.: 055 - 002.

Mehr Infos dazu, was HIV ist, wie es übertragen wird und wie man sich davor schützen kann, gibt es im Kapitel “Verhütungsmethoden”.

In Deutschland wird allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten. Er ist freiwillig, wird aber empfohlen: Bei HIV-positiven Schwangeren ohne Behandlung liegt das Risiko, HIV während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder über die Muttermilch auf das Kind zu übertragen, bei rund 24 %.     The European Collaborative Study. (1988). Mother-to-child transmission of HIV infection. Lancet (London, England), 2(8619), 1039–1043.

Mit medizinischer Hilfe lässt sich das Risiko heute auf unter 2 % senken.   Gingelmaier, A., Hollwitz, B., Casteleyn, S., Faul-Burbes, C., Gröger, S., Beichert, M., Buchholz, B., Weigel, M., Funke, A. M., Grubert, T., & Friese, K. (2005). Schwangerschaftsverlauf und kindliches Outcome bei 599 HIV-exponierten Schwangerschaften an deutschen Schwerpunktzentren 1999 - 2003. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 65(11), 1058–1063. doi.org

Das Kind schützen

Ob ein Test durchgeführt wurde, wird im Mutterpass vermerkt. Das Ergebnis selbst wird dort aber nicht eingetragen. 

Wird eine HIV-Infektion festgestellt, stehen mehrere Maßnahmen zur Verfügung, um das Kind zu schützen. Mit den entsprechenden Maßnahmen können Kinder gesund zur Welt kommen:

Medikamente während und nach der Schwangerschaft

Sogenannte Antiretrovirale Therapien, also medikamentöse Behandlungen, senken die Viruslast im Blut. Das Ziel: bis zur Geburt so wenige Viren im Blut, dass keine Übertragung mehr möglich ist.

Art der Geburt

Abhängig von der Viruslast wird die Entbindungsart gewählt. Ist sie sehr gering, ist eine vaginale Geburt möglich. Bei höherer Viruslast wird ein Kaiserschnitt empfohlen.

Stillen

HIV und Medikamente gehen in die Muttermilch über und können übertragen werden. Deshalb wird in der Regel von Stillen abgeraten.

Bei starkem Wunsch kann es in Absprache mit Ärzt*innen und Hebammen, unter Therapie bei niedriger Viruslast, in Ausnahmefällen möglich sein.

Medikamente für das Kind

Je nach Viruslast bei der Geburt erhält das Kind eine Postexpositionsprophylaxe (PEP), also Medikamente, die eine Ansteckung nach einem Risikokontakt verhindern können.

Übrigens: Auch während der Schwangerschaft kann eine Neuinfektion stattfinden und das Virus dann an das Kind weitergegeben werden. Sicheren Schutz bieten Kondome oder Femidome. Hier mehr dazu.

Psychische Belastung und Unterstützung

Eine HIV-Diagnose bedeutet immer eine große Herausforderung – und in der Schwangerschaft oft noch mehr. In Studien gaben rund 60 % der Schwangeren mit HIV an, unter Angstzuständen zu leiden     Qin, S., Tan, Y., Lu, B., Cheng, Y., & Nong, Y. (2019). Survey and analysis for impact factors of psychological distress in HIV-infected pregnant women who continue pregnancy. The Journal of Maternal-Fetal & Neonatal Medicine, 32(19), 3160–3167. doi.org.

Gerade deshalb ist Unterstützung wichtig

durch Partner*innen

durch Ärzt*innen und Geburtshelfer*innen

durch das soziale Umfeld

und durch spezialisierte Beratungsstellen

HIV ist heute kein Todesurteil mehr. Mit Tests, Safer-Sex-Praktiken und moderner Medizin können Menschen mit HIV ein gesundes, langes und erfülltes Leben führen ohne Angst und ohne Ansteckungsrisiko für andere.

November, 2025

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Quellen

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