Polyzystisches Ovarsyndrom

(PCOS)

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Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen und betrifft etwa 20 % aller Menschen mit Gebärmutter im gebärfähigen Alter, also zwischen Pubertät und Wechseljahren    Deswal, R., Narwal, V., Dang, A., & Pundir, C. S. (2020). The Prevalence of Polycystic Ovary Syndrome: A Brief Systematic Review. Journal of Human Reproductive Sciences, 13(4), 261. doi.org. PCOS ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber gut behandeln.

Zeit zur Reflektion

Dein Wissen über PCOS

Ca. 20% aller Menschen mit Gebärmutter haben PCOS. Es ist also sehr weit verbreitet. Aber was weißt du darüber?

Weißt du, was PCOS ist?

Wie kann PCOS aussehen?

Kennst du jemanden, mit PCOS?

Was bedeutet PCOS?

Poly = viele, mehrere
Cystisch = Zysten betreffend
Ovar = die Eierstöcke betreffend
Syndrom = Zusammenspiel mehrere Störungen mit gemeinsamer Ursache

PCOS bezeichnet also verschiedene Störungen, die mit den Eierstöcken und häufig auch mit Zystenbildung in Verbindung stehen.

Wie entsteht PCOS?

Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich führen mehrere hormonelle Störungen dazu, dass die Eierstöcke vermehrt männliche Sexualhormone bilden. Männliche Hormone haben übrigens alle Menschen, nicht nur Männer. Mehr zum Thema findest du beim Thema “Hormone”. Eizellen können dadurch nicht richtig ausreifen und es entstehen kleine Bläschen (Zysten). Dies führt zu einem hormonellen Ungleichgewicht.

Patient*innen entwickeln zudem häufig eine Insulinresistenz: Der Körper reagiert weniger sensibel auf Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel schlechter reguliert wird. Diese Stoffwechsellage kurbelt wiederum die Produktion männlicher Hormone an, ein Mechanismus, der die Beschwerden des PCOS verstärken kann.

Symptome

Die ersten Anzeichen treten oft bereits in der Pubertät auf. Die Ausprägung ist individuell sehr unterschiedlich, es gibt zahlreiche Erscheinungsformen     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org. Die häufigsten Symptome sind:

Zyklusstörungen
verspätete oder ausbleibende Periode

Hormone:
Überschuss an männlichen Sexualhormonen (Testosteron)

Zysten:
Polyzystische Ovarien (Zysten in den Eierstöcken)

Anzeichen einer sogenannten Androgenisierung (also optischen „Vermännlichung“ durch den Überschuss an Testosteron):

  • Akne
  • verstärkte Körperbehaarung
  • Haarausfall
  • Hautverfärbungen

Die Funktionsstörung der Eierstöcke kann außerdem zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.

Für eine Diagnose müssen aber nicht alle Symptome vorhanden sein. Auch wenn nur ein paar der Symptome vorhanden sind kann es PCOS sein und diagnostiziert werden.

Wichtig: Manche Betroffene haben Übergewicht, andere sind schlank, manche haben Zyklusprobleme, andere nicht. PCOS ist individuell und wandelbar

PCOS und Gewicht

Viele Menschen mit PCOS haben, bedingt durch den gestörten Insulinhaushalt, Schwierigkeiten Gewicht zu verlieren. Zwischen 40 und 80 % der Betroffenen entwickeln Adipositas (starkes Übergewicht)     Hoeger, K. M. (2007). Obesity and lifestyle management in polycystic ovary syndrome. Clinical Obstetrics and Gynecology, 50(1), 277–294. doi.org.

Hormonelle Prozesse, insbesondere die Insulinresistenz, fördern die Gewichtszunahme. Besonders häufig lagert sich Fett im Bauchraum (viszerales Fett) ab     Arjune, S., Kretschmer, A. C., & Hanssen, R. (2025). Gewichtsveränderungen bei PCOS – medikamentös beeinflussbar? Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Schweiz. doi.org. Starkes Übergewicht erhöht zusätzlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Bei der Gewichtsabnahme bei PCOS kann Metformin, ein Medikament, dass für Diabetes-Patient*innen entwickelt wurde, helfen     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in der gynäkologischen Praxis durch:

  • Anamnese zu Zyklus, Periode, Gewicht und körperlichen Veränderungen
  • Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
  • Blutuntersuchungen zu Hormonen und Blutzuckerwerten

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Symptomen und Bedürfnissen.     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org

Lebensstiländerung

Bewegung und Ernährungsumstellungen können die Symptome lindern. Studien zeigen, dass Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der PCOS-Beschwerden und der Lebensqualität führen kann     Dokras, A., Sarwer, D. B., Allison, K. C., Milman, L., Kris-Etherton, P. M., Kunselman, A. R., Stetter, C. M., Williams, N. I., Gnatuk, C. L., Estes, S. J., Fleming, J., Coutifaris, C., & Legro, R. S. (2016). Weight Loss and Lowering Androgens Predict Improvements in Health-Related Quality of Life in Women With PCOS. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 101(8), 2966–2974. doi.org 

Hormonelle Verhütung

Antibabypillen oder andere hormonelle Präparate können den Zyklus stabilisieren und gleichzeitig einen Überschuss an männlichen Hormonen ausgleichen. Im Kapitel “Hormone” erfährst du mehr über das Thema Hormone     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org.

Kinderwunschbehandlung

Medikamente, die die Eizellreifung unterstützen, erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft. Zahlreiche Schwangerschaften verlaufen trotz PCOS erfolgreich. Wenn eine Schwangerschaft eintritt, verläuft sie meist erfolgreich. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften ist oft erhöht.     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org

Auch wenn PCOS eine chronische Erkrankung ist, gibt es viele Möglichkeiten, die Symptome wirksam zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern. Zyklus und Hormonhaushalt können durch Therapie oft stabilisiert werden, und viele Betroffene berichten von spürbaren Verbesserungen, sei es beim Hautbild, beim Wohlbefinden oder bei der Fruchtbarkeit.     AWMF. (2024). S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS). AWMF online. register.awmf.org

Psychische Gesundheit und Sexualität

Lösungen finden

Ein offenes Gespräch über Unsicherheiten kann helfen, Lösungen zu finden, um lustvoll Sexualität zu leben.

PCOS betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die psychische Gesundheit. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen     Barry, J. A. (2019). Psychologische Aspekte des polyzystischen Ovarial-Syndroms (PCOS) - Ein Überblick über psychische Begleiterscheinungen und die Verbindung von Psyche und Biologie. Springer. link.springer.com. Psychologische Unterstützung kann daher ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Darüber hinaus spielt PCOS auch in Bezug auf Sexualität und Selbstbild eine Rolle. Libidoverlust, Unsicherheiten im eigenen Körpergefühl oder Stigmatisierungserfahrungen sind keine Seltenheit. Sexualität ist jedoch weit mehr als Fruchtbarkeit oder ein bestimmtes Aussehen. Nähe, Lust und Intimität sind in allen Körpern möglich, auch mit PCOS. Im Kapitel “Sexualität & Sprache” erfährst du mehr darüber, wie du über Sexualität sprechen kannst.

Stigma und gesellschaftlicher Druck

Viele Betroffene berichten von gesellschaftlichen Belastungen, etwa durch Kommentare zum Gewicht, zur Körperbehaarung oder zum Kinderwunsch     Chopra, S., Zehrung, R., Shanmugam, T. A., & Choe, E. K. (2021). Living with Uncertainty and Stigma: Self-Experimentation and Support-Seeking around Polycystic Ovary Syndrome. Proceedings of the 2021 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 1–18. doi.org . Solche Bemerkungen können stark verletzen. Umso wichtiger ist ein sensibler Umgang mit diesen Themen, sowohl im persönlichen Umfeld als auch im gesellschaftlichen Diskurs.

November, 2025

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Quellen

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