Polyzystisches Ovarsyndrom
(PCOS)
Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen und betrifft etwa 20 % aller Menschen mit Gebärmutter im gebärfähigen Alter, also zwischen Pubertät und Wechseljahren
Zeit zur Reflektion
Dein Wissen über PCOS
Ca. 20% aller Menschen mit Gebärmutter haben PCOS. Es ist also sehr weit verbreitet. Aber was weißt du darüber?
Weißt du, was PCOS ist?
Wie kann PCOS aussehen?
Kennst du jemanden, mit PCOS?
Was bedeutet PCOS?
| Poly | = viele, mehrere |
|---|---|
| Cystisch | = Zysten betreffend |
| Ovar | = die Eierstöcke betreffend |
| Syndrom | = Zusammenspiel mehrere Störungen mit gemeinsamer Ursache |
PCOS bezeichnet also verschiedene Störungen, die mit den Eierstöcken und häufig auch mit Zystenbildung in Verbindung stehen.
Wie entsteht PCOS?
Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich führen mehrere hormonelle Störungen dazu, dass die Eierstöcke vermehrt männliche Sexualhormone bilden. Männliche Hormone haben übrigens alle Menschen, nicht nur Männer. Mehr zum Thema findest du beim Thema “Hormone”. Eizellen können dadurch nicht richtig ausreifen und es entstehen kleine Bläschen (Zysten). Dies führt zu einem hormonellen Ungleichgewicht.
Patient*innen entwickeln zudem häufig eine Insulinresistenz: Der Körper reagiert weniger sensibel auf Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel schlechter reguliert wird. Diese Stoffwechsellage kurbelt wiederum die Produktion männlicher Hormone an, ein Mechanismus, der die Beschwerden des PCOS verstärken kann.
Symptome
Die ersten Anzeichen treten oft bereits in der Pubertät auf. Die Ausprägung ist individuell sehr unterschiedlich, es gibt zahlreiche Erscheinungsformen
Zyklusstörungen:
verspätete oder ausbleibende Periode
Hormone:
Überschuss an männlichen Sexualhormonen (Testosteron)
Zysten:
Polyzystische Ovarien (Zysten in den Eierstöcken)
Anzeichen einer sogenannten Androgenisierung (also optischen „Vermännlichung“ durch den Überschuss an Testosteron):
- Akne
- verstärkte Körperbehaarung
- Haarausfall
- Hautverfärbungen
Die Funktionsstörung der Eierstöcke kann außerdem zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Für eine Diagnose müssen aber nicht alle Symptome vorhanden sein. Auch wenn nur ein paar der Symptome vorhanden sind kann es PCOS sein und diagnostiziert werden.
Wichtig: Manche Betroffene haben Übergewicht, andere sind schlank, manche haben Zyklusprobleme, andere nicht. PCOS ist individuell und wandelbar.
PCOS und Gewicht
Viele Menschen mit PCOS haben, bedingt durch den gestörten Insulinhaushalt, Schwierigkeiten Gewicht zu verlieren. Zwischen 40 und 80 % der Betroffenen entwickeln Adipositas (starkes Übergewicht)
Hormonelle Prozesse, insbesondere die Insulinresistenz, fördern die Gewichtszunahme. Besonders häufig lagert sich Fett im Bauchraum (viszerales Fett) ab
Bei der Gewichtsabnahme bei PCOS kann Metformin, ein Medikament, dass für Diabetes-Patient*innen entwickelt wurde, helfen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der gynäkologischen Praxis durch:
- Anamnese zu Zyklus, Periode, Gewicht und körperlichen Veränderungen
- Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
- Blutuntersuchungen zu Hormonen und Blutzuckerwerten
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Symptomen und Bedürfnissen.
Lebensstiländerung
Bewegung und Ernährungsumstellungen können die Symptome lindern. Studien zeigen, dass Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der PCOS-Beschwerden und der Lebensqualität führen kann
Hormonelle Verhütung
Antibabypillen oder andere hormonelle Präparate können den Zyklus stabilisieren und gleichzeitig einen Überschuss an männlichen Hormonen ausgleichen. Im Kapitel “Hormone” erfährst du mehr über das Thema Hormone
Kinderwunschbehandlung
Medikamente, die die Eizellreifung unterstützen, erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft. Zahlreiche Schwangerschaften verlaufen trotz PCOS erfolgreich. Wenn eine Schwangerschaft eintritt, verläuft sie meist erfolgreich. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften ist oft erhöht.
Auch wenn PCOS eine chronische Erkrankung ist, gibt es viele Möglichkeiten, die Symptome wirksam zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern. Zyklus und Hormonhaushalt können durch Therapie oft stabilisiert werden, und viele Betroffene berichten von spürbaren Verbesserungen, sei es beim Hautbild, beim Wohlbefinden oder bei der Fruchtbarkeit.
Psychische Gesundheit und Sexualität
Ein offenes Gespräch über Unsicherheiten kann helfen, Lösungen zu finden, um lustvoll Sexualität zu leben.
PCOS betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die psychische Gesundheit. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen
Darüber hinaus spielt PCOS auch in Bezug auf Sexualität und Selbstbild eine Rolle. Libidoverlust, Unsicherheiten im eigenen Körpergefühl oder Stigmatisierungserfahrungen sind keine Seltenheit. Sexualität ist jedoch weit mehr als Fruchtbarkeit oder ein bestimmtes Aussehen. Nähe, Lust und Intimität sind in allen Körpern möglich, auch mit PCOS. Im Kapitel “Sexualität & Sprache” erfährst du mehr darüber, wie du über Sexualität sprechen kannst.
Stigma und gesellschaftlicher Druck
Viele Betroffene berichten von gesellschaftlichen Belastungen, etwa durch Kommentare zum Gewicht, zur Körperbehaarung oder zum Kinderwunsch