Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (ehemals Polyzystisches Ovarialsyndrom)
PMOS (ehemals PCOS)
Hinweis: Das bisher als PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) bekannte Krankheitsbild wird seit 2026 offiziell als PMOS (Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom) bezeichnet.
Das Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen und betrifft etwa 20 % aller Menschen mit Gebärmutter im gebärfähigen Alter, also zwischen Pubertät und Wechseljahren
Warum heißt PCOS jetzt PMOS?
Der bisherige Name PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) wurde von vielen Fachleuten als irreführend angesehen, weil er die Erkrankung nur unvollständig beschreibt. Nicht alle Betroffenen haben die namensgebenden Zysten an den Eierstöcken. Außerdem betrifft die Erkrankung nicht nur die Eierstöcke, sondern auch den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel.
Die neue Bezeichnung PMOS (Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom) soll diese hormonellen und stoffwechselbezogenen Aspekte stärker hervorheben. Dadurch soll die Erkrankung besser verstanden und Missverständnisse sollen vermieden werden.
Ist PMOS dasselbe wie PCOS?
Ja, PMOS bezeichnet dasselbe Krankheitsbild wie PCOS. Der Name wurde geändert, weil er die unterschiedlichen Merkamle der Erkrankung besser beschreibt.
Hat sich durch die Umbenennung etwas für Betroffene geändert?
Nein. An den Symptomen, Diagnosekriterien und Behandlungsmöglichkeiten hat sich grundsätzlich nichts geändert. Nur die Bezeichnung der Erkrankung wurde geändert.
Warum wurde der Begriff PCOS als nicht mehr passend angesehen?
Der bisherige Name PCOS stellte vor allem die Eierstöcke in den Mittelpunkt. Die Erkrankung ist jedoch komplexer und betrifft auch hormonelle und stoffwechselbezogene Prozesse. Dadurch konnte der bisherige Name ein unvollständiges Bild der Erkrankung vermitteln.
Zeit zur Reflektion
Dein Wissen über PMOS (ehemals PCOS)
Ca. 20% aller Menschen mit Gebärmutter haben PMOS (ehemals PCOS). Es ist also sehr weit verbreitet. Aber was weißt du darüber?
Weißt du, was PMOS (ehemals PCOS) ist?
Wie kann PMOS (ehemals PCOS) aussehen?
Kennst du jemanden, mit PMOS (ehemals PCOS)?
Was bedeutet PMOS (ehemals PCOS)?
| Poly | = viele, mehrere |
|---|---|
| Endokrin | = die Hormone bzw. das Hormonsystem betreffend |
| Metabolisches | = den Stoffwechsel betreffend |
| Ovarial | = die Eierstöcke betreffend |
| Syndrom | = Zusammenspiel mehrere Störungen mit gemeinsamer Ursache |
PMOS (ehemals PCOS) bezeichnet also verschiedene Störungen, die mit den Eierstöcken und häufig auch mit Zystenbildung in Verbindung stehen.
Wie entsteht PMOS?
Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich führen mehrere hormonelle Störungen dazu, dass die Eierstöcke vermehrt männliche Sexualhormone bilden. Männliche Hormone haben übrigens alle Menschen, nicht nur Männer. Mehr zum Thema findest du beim Thema “Hormone”. Eizellen können dadurch nicht richtig ausreifen und es entstehen kleine Bläschen (Zysten). Dies führt zu einem hormonellen Ungleichgewicht.
Patient*innen entwickeln zudem häufig eine Insulinresistenz: Der Körper reagiert weniger sensibel auf Insulin, wodurch der Blutzuckerspiegel schlechter reguliert wird. Diese Stoffwechsellage kurbelt wiederum die Produktion männlicher Hormone an, ein Mechanismus, der die Beschwerden des PMOS (ehemals PCOS) verstärken kann.
Symptome
Die ersten Anzeichen treten oft bereits in der Pubertät auf. Die Ausprägung ist individuell sehr unterschiedlich, es gibt zahlreiche Erscheinungsformen
Zyklusstörungen:
verspätete oder ausbleibende Periode
Hormone:
Überschuss an männlichen Sexualhormonen (Testosteron)
Zysten:
Polyzystische Ovarien (Zysten in den Eierstöcken)
Anzeichen einer sogenannten Androgenisierung (also optischen „Vermännlichung“ durch den Überschuss an Testosteron):
- Akne
- verstärkte Körperbehaarung
- Haarausfall
- Hautverfärbungen
Die Funktionsstörung der Eierstöcke kann außerdem zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Für eine Diagnose müssen aber nicht alle Symptome vorhanden sein. Auch wenn nur ein paar der Symptome vorhanden sind kann es PMOS (ehemals PCOS) sein und diagnostiziert werden.
Wichtig: Manche Betroffene haben Übergewicht, andere sind schlank, manche haben Zyklusprobleme, andere nicht. PMOS ist individuell und wandelbar.
PMOS und Gewicht
Viele Menschen mit PMOS haben, bedingt durch den gestörten Insulinhaushalt, Schwierigkeiten Gewicht zu verlieren. Zwischen 40 und 80 % der Betroffenen entwickeln Adipositas (starkes Übergewicht)
Hormonelle Prozesse, insbesondere die Insulinresistenz, fördern die Gewichtszunahme. Besonders häufig lagert sich Fett im Bauchraum (viszerales Fett) ab
Bei der Gewichtsabnahme bei PMOS kann Metformin, ein Medikament, dass für Diabetes-Patient*innen entwickelt wurde, helfen
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der gynäkologischen Praxis durch:
- Anamnese zu Zyklus, Periode, Gewicht und körperlichen Veränderungen
- Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
- Blutuntersuchungen zu Hormonen und Blutzuckerwerten
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Symptomen und Bedürfnissen.
Lebensstiländerung
Bewegung und Ernährungsumstellungen können die Symptome lindern. Studien zeigen, dass Gewichtsabnahme zu einer Verbesserung der PMOS-Beschwerden und der Lebensqualität führen kann
Hormonelle Verhütung
Antibabypillen oder andere hormonelle Präparate können den Zyklus stabilisieren und gleichzeitig einen Überschuss an männlichen Hormonen ausgleichen. Im Kapitel “Hormone” erfährst du mehr über das Thema Hormone
Kinderwunschbehandlung
Medikamente, die die Eizellreifung unterstützen, erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft. Zahlreiche Schwangerschaften verlaufen trotz PMOS erfolgreich. Wenn eine Schwangerschaft eintritt, verläuft sie meist erfolgreich. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften ist oft erhöht.
Auch wenn PMOS eine chronische Erkrankung ist, gibt es viele Möglichkeiten, die Symptome wirksam zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern. Zyklus und Hormonhaushalt können durch Therapie oft stabilisiert werden, und viele Betroffene berichten von spürbaren Verbesserungen, sei es beim Hautbild, beim Wohlbefinden oder bei der Fruchtbarkeit.
Psychische Gesundheit und Sexualität
Ein offenes Gespräch über Unsicherheiten kann helfen, Lösungen zu finden, um lustvoll Sexualität zu leben.
PMOS betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die psychische Gesundheit. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen
Darüber hinaus spielt PMOS auch in Bezug auf Sexualität und Selbstbild eine Rolle. Libidoverlust, Unsicherheiten im eigenen Körpergefühl oder Stigmatisierungserfahrungen sind keine Seltenheit. Sexualität ist jedoch weit mehr als Fruchtbarkeit oder ein bestimmtes Aussehen. Nähe, Lust und Intimität sind in allen Körpern möglich, auch mit PMOS. Im Kapitel “Sexualität & Sprache” erfährst du mehr darüber, wie du über Sexualität sprechen kannst.
Stigma und gesellschaftlicher Druck
Viele Betroffene berichten von gesellschaftlichen Belastungen, etwa durch Kommentare zum Gewicht, zur Körperbehaarung oder zum Kinderwunsch